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Vom Laufrad bis zum Mountainbike: Kinder- und Jugendunfälle auf Rädern nahmen zu

Burschen neigen zu höherem Tempo und risikoreicherem Verhalten - was sich in den Unfallzahlen deutlich widerspiegelt. Bild: Pixabay

Pressemitteilung – 14. April 2022

 

Ob Laufrad, klassisches Fahrrad, Mountainbike, BMX- oder E-Bike: Rund um Ostern werden sämtliche Arten von Rädern verschenkt oder aus dem Keller geholt. Was es dabei der Sicherheit zuliebe zu beachten gilt und wie das Unfallgeschehen bei Kindern und Jugendlichen genau aussieht, das hat der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE erhoben. Die Unfallzahlen sowie das Unfallalter stiegen in den letzten Jahren an. Es passierten mehr schwere Verletzungen als bei Kinder- und Jugendunfällen im Allgemeinen, Burschen waren deutlich häufiger betroffen. Bereits ab dem zarten Laufrad-Alter ist Helmtragen ein Muss, bietet es doch den besten Schutz vor schweren Kopf- und Gehirnverletzungen.

 

3 % der an der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie behandelten Unfälle passieren mit Rädern aller Art. Der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE hat all diese Unfälle, 2.177 an der Zahl, die in den Jahren 2015 – 2020 an der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie behandelt wurden, ausgewertet und analysiert. Diese betreffen Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre.

Von den 2.177 Radunfällen entfielen 84 % auf das klassische Fahrrad, 7 % auf das Laufrad, 7 % auf das Mountainbike und 2 % auf das BMX-Bike – nur 7 Unfälle passierten mit E-Bikes.

 

Unfallzahlen und Unfallalter stiegen an

Im Untersuchungszeitraum 2015 – 2020 zeigte sich ein deutlicher Aufwärtstrend bei den Unfallzahlen: Von rd. 300 stiegen diese auf rd. 400 Unfälle jährlich an.

Auch das durchschnittliche Unfallalter nahm über die Jahre kontinuierlich zu: von knapp 9 Jahren im Jahr 2015 auf knapp 10 Jahre im Jahr 2020.

„Betrachtet man das durchschnittliche Patienten-Unfallalter von 10 Jahren heruntergebrochen auf die einzelnen Rad-Arten, so zeigt sich, dass Mountain-/Downhill-Bike-, BMX- und E-Bike-Unfälle mit einem Altersdurchschnitt von 13 Jahren erwartungsgemäß die älteren Kinder und Jugendlichen betreffen. Mit dem Fahrrad verunfallte Kinder und Jugendliche sind durchschnittlich 10 Jahre alt: Das ist genau das Alter in dem die meisten Kinder die Radfahrprüfung machen und dann vermehrt alleine unterwegs sind – natürlich noch ohne die entsprechende Routine“, betont Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz. Beim Laufrad beläuft sich das Durchschnittsalter der Unfallopfer auf zarte 2 Jahre.

In der Monatsverteilung sieht man, dass sich der Großteil der Unfälle (77 %) erwartungsgemäß zwischen April und September ereignet.

 

Burschen verunfallen deutlich häufiger

Dr. Peter Spitzer, Leiter des Forschungszentrums für Kinderunfälle und Generalsekretär von GROSSE SCHÜTZEN KLEINE: „In puncto Geschlechtsverteilung sehen wir einen eindeutigen Ausschlag der Statistik zu Ungunsten der Burschen: Insgesamt entfallen 72 % der Radunfälle auf Buben und junge Männer, ganz besonders die mit BMX-Bikes (97 %) und Mountainbikes (87 %). Aber auch beim klassischen Fahrrad (71 %) sowie bereits beim Laufrad (63 %) finden sich Burschen in der Unfallstatistik deutlich häufiger. Diese neigen tendenziell zu mehr Tempo und risikoreicherem Fahrverhalten als Mädchen, was sich in der Pubertät und Jugend nochmals verstärkt.“

 

Mehr als ein Drittel schwer verletzt; Kopfverletzungen verstärkt auch bei den Jüngsten

Ein recht hohes Tempo, die Sturzhöhe vom Rad, der meiste harte Untergrund sowie teilweise auch der „Verzicht auf den Helm“ bewirken, dass gut ein Drittel der Radverletzungen als medizinisch „schwer“ klassifiziert werden – mehr als bei Kinderunfällen allgemein (mit knapp 30 %).

BMX-Unfallopfer ziehen sich in 55 % der Fälle schwere Verletzungen zu, gefolgt von MTB-Verunfallten mit 51 %, E-Bike-Fahrer:innen mit 40 %, Fahrradlenker:innen mit 33 % und Laufrad-Verunfallten mit 26 %.

„Kopfverletzungen sehen wir am häufigsten bei Unfällen mit dem Laufrad (62 %). Das liegt einerseits daran, dass kleine Kinder einen recht schweren Kopf im Verhältnis zum restlichen Körper haben und ihr Abstützreflex noch nicht so gut ausgeprägt ist. Andererseits spielt wohl auch eine Rolle, dass die Wichtigkeit des Helmtragens beim Laufrad-Fahren immer noch unterschätzt wird. Am besten ist es, seinem Kind bereits ab dem ersten Radgerät, meist dem Laufrad, zu vermitteln, dass Helm und Rad untrennbar miteinander verbunden sind – so wie Autofahren und Gurt-Anlegen“, rät Till.

Auch beim klassischen Fahrrad-Unfall sind Kopfverletzungen mit (28 %) nicht selten vertreten. Spitzer: „Oft wird das eigene Können überschätzt und die Fremdeinwirkung, bspw. durch motorisierte Fahrzeuglenker:innen, unterschätzt. In Anbetracht der Kopfverletzungs-Häufigkeit von BMX- (21 %) und Mountainbike-Fahrer:innen (15 %) zeigt sich, dass der Helm wohl häufiger getragen wird. Er ist Teil der „coolen“ Ausrüstung – im Gegensatz zum immer noch eher mäßigen Image des Helmes beim klassischen Radfahren.“

 

Sicherheitstipps – vom Laufrad bis zum Mountainbike

  • Bei jeder (noch so kurzen) Fahrt und in jedem Alter einen Radhelm tragen – Vorbildfunktion als Erwachsener nicht unterschätzen! Bis 12 Jahre gilt in Österreich Helmpflicht (auch fürs Mitfahren am Kinderfahrradsitz, im Fahrradanhänger oder im Lastenrad).
  • Ein guter Fahrradhelm muss
    • optimal passen und darf nicht rutschen.
    • die Stirn, die Schläfen und den Hinterkopf schützen.
    • richtig aufgesetzt werden (Kinnriemen verläuft vor und hinter dem Ohr, Helm endet einen Daumen breit über den Augenbrauen, zwischen Kinnriemen und Kinn passt nur eine Fingerbreite).
    • nach einem Sturz ausgetauscht werden. Kaum sichtbare Haarrisse können die Schutzwirkung des Helms verringern.
  • Die richtige Beherrschung des Fahrrads sollte mit dem Kind immer wieder geübt werden.
  • Das Fahrrad sollte im Frühjahr einem Sicherheitscheck unterzogen werden.
  • Das Radfahren auf Gehsteigen oder Gehwegen ist mit Fahrrädern mit einem Felgendurchmesser von mehr als 300 mm (entspricht ca. 12 Zoll) verboten. Gibt es einen Radweg oder einen Geh- und Radweg, muss dieser von Radfahrer:innen benützt werden. Nebeneinanderfahren ist nur auf Radwegen, in Wohnstraßen und auf öffentlichen Straßen bei Trainingsfahrten mit Rennrädern erlaubt.
  • Die Geschwindigkeit dem persönlichen Fahrkönnen und den äußeren Bedingungen anpassen.
  • Auf Stützräder und dreirädrige Laufräder verzichten, da diese ein falsches Gleichgewichtsgefühl vermitteln.

 

Video für Eltern und Kinder

Gemeinsam mit uns den Helm richtig einstellen und aufsetzen! :)