Pressemitteilung – 18. August 2026
Im Jahr 2025 verletzten sich laut Statistik Austria (UDM) in Österreich 577 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 15 Jahren bei Verkehrsunfällen auf dem Schulweg. Der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE rät, den Schulweg mit Kindern bereits in den letzten Ferienwochen zu üben, sie nicht bis zur Schultür zu fahren, auf Ablenkungen zu verzichten und in der Früh genug Zeit einzuplanen.
2025 mehr Verletzte bei Schulwegunfällen
Laut Statistik Austria (UDM) verletzten sich im Jahr 2025 in Österreich 577 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 15 Jahren bei Verkehrsunfällen auf dem Schulweg. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den Jahren 2022–2024.
Die meisten dieser Schüler:innen waren zu Fuß unterwegs (32 %), gefolgt von Fahrrad (16 %), Moped (15 %), E-Scooter (13 %), Bus (8 %) und Pkw (7 %) (Rest: Sonstiges).
„Elterntaxi“ im Vormarsch, Schüler:innen meist nicht Hauptunfallverursacher:innen
Betrachtet man den Vierjahreszeitraum 2022–2025, so zeigt sich, dass sich insgesamt 1.960 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 15 Jahren bei Verkehrsunfällen am Schulweg verletzt haben. 4 erlitten tödliche, 237 schwere und 1.719 leichte Verletzungen.
In 45 % der Fälle waren die Schüler:innen selbst Hauptunfallverursacher:innen, in 55 % der Fälle ein/e andere/r Verkehrsteilnehmer:in.
41 % der Verunfallten waren als Lenker:in unterwegs (Fahrrad, (E-)Scooter, Moped), 38 % als Fußgänger:in und 21 % als Mitfahrer:in (Pkw, öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad, Moped).
Die Tendenz seit 2022 zeigt, dass sich deutlich weniger Kinder und Jugendliche als Fußgänger:in am Schulweg verletzen, mehr dafür als Mitfahrer:in – oft im „Elterntaxi“.
Gerade vor Volksschulen sind kurz vor Schulbeginn sehr viele Autos unterwegs – weil Kinder von den Eltern bis vor die Schultür gebracht werden. Durch regelmäßige „Hol- und Bringdienste“ werden jedoch Kinder, die zu Fuß unterwegs sind, wesentlich stärker gefährdet. An vielen Schulen gibt es bereits gute Erfahrungen mit der Sperrung von Straßenzügen in der halben Stunde vor Schulbeginn bzw. nach Unterrichtsschluss. Außerdem profitieren Kinder mehrfach davon, den Schulweg zu Fuß zurückzulegen. „Nicht nur deren Kompetenz, sich im Straßenverkehr sicher zu bewegen, wird gefördert – auch positive Auswirkungen auf Bewegungsfreude, soziale Beziehungen und die Konzentrationsfähigkeit im Unterricht sind zu beobachten“, zählt Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Grazer Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie, die vielen Vorteile auf.
Unfallrisiko steigt ab 10 Jahren massiv an
Ab 10 Jahren steigt das Risiko für Verkehrsunfälle am Schulweg laut der Analyse der Zahlen aus 2022–2025 stark an. So ist es bei 10-Jährigen etwa doppelt so hoch wie bei 7-Jährigen, bei 15-Jährigen gar rund 3,5 Mal höher. Mehr als Dreiviertel der durch diese Unfälle verletzten Schüler:innen zwischen 6 und 15 Jahren fielen in die Altersgruppe der 10–15-Jährigen. „Die Ursachen dafür sind wohl vielfältig“, so Dr. Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE. „Einerseits kommen nach der Radfahrprüfung sowohl das Fahrrad als auch der E-Scooter als Fortbewegungsmittel hinzu, bei den 15-Jährigen spielt das Moped eine große Rolle. Andererseits sind ältere Kinder und Jugendliche oft durch Smartphone und Kopfhörer abgelenkt, risikoreiches Verhalten nimmt in der Pubertät und Jugend zu, die elterliche Begleitung fällt meist weg und der Einfluss der Erziehenden wird zunehmend geringer.“
Betrachtet man das Geschlecht, so zeigt sich, dass sich Burschen am Schulweg im Straßenverkehr etwas häufiger verletzen (57 % Burschen, 43 % Mädchen).
Von den 1.960 österreichweit zwischen 2022 und 2025 bei Verkehrsunfällen am Schulweg verletzten 6–15-Jährigen entfielen 283 auf die Steiermark, davon wiederum 119 auf Graz.
Wichtiger Hinweis:
Bei den erwähnten Unfallzahlen handelt es sich ausschließlich um Verkehrsunfälle auf dem Schulweg. Andere Unfälle auf dem Schulweg nach Definition der AUVA (z. B. Ausrutschen am Gehsteig, Hundebiss durch den Gartenzaun etc.), welche nicht als Verkehrsunfälle gelten, wurden in diese Analyse nicht miteinbezogen.
Schulweg üben, Ablenkungen vermeiden
Was können Eltern also noch tun, um ihren Nachwuchs am Schulweg bestmöglich zu schützen, ohne ihn überzubehüten? „Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört es, als Autolenker:in Ablenkungen jeglicher Art zu vermeiden und als Eltern den sicheren Schulweg bereits in den letzten Ferienwochen mit dem Kind zu üben“, betont Till. „Kleinere Umwege sollten der Sicherheit zuliebe unbedingt in Kauf genommen werden. Üben Sie nicht nur mit den Erstklässler:innen, sondern auch mit älteren Volksschulkindern und denjenigen, die ins Gymnasium bzw. in die Mittelschule wechseln. Erstens wird über die Ferien viel vergessen, zweitens haben sich möglicherweise entscheidende Punkte verändert (auch wenn der Schulweg grundsätzlich weiterhin der gleiche bleibt), drittens ist die vermeintliche Routine oft trügerisch.“
Weitere Sicherheitstipps für den Schulweg
- Erklären Sie Ihrem Kind, dass es auch einen Zebrastreifen erst überqueren darf, wenn alle Fahrzeuge stehen.
- Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es an Ampeln auch auf abbiegende Fahrzeuge achten muss! Vor allem bei großen Fahrzeugen wie z. B. Lkw kann die Lenkerin/der Lenker nicht alles ringsherum sehen. Wenn man dem Fahrer / der Fahrerin nicht in die Augen schauen kann, ist große Vorsicht wichtig. Im sogenannten toten Winkel zieht der Fußgänger oder die Radfahrerin immer den Kürzeren – auch wenn man im vermeintlichen Recht des Vorranges ist.
- Achten Sie darauf, dass Ihr Kind besonders in der dunklen Jahreszeit helle oder reflektierende Kleidung und eine Schultasche mit ausreichend großen Reflektoren trägt (DIN-Norm 58124).
- Planen Sie unbedingt ausreichend Zeit ein: Stress erhöht die Unfallgefahr massiv!
- Ausgeschlafen und gut gefrühstückt? Das ist bei Schulkindern besonders wichtig für Aufmerksamkeit und Konzentration – nicht nur in der Schule, sondern auch am Weg dorthin.
- Rad- und Scooterfahren sind komplexe Tätigkeiten. Überschätzen Sie deshalb die Fähigkeiten Ihres Kindes nicht und üben Sie immer wieder gemeinsam.
Wenn Ihr Kind zu Fuß zur Schule geht oder mit dem „muskelbetriebenen“ Scooter fährt:
- Auf dem Gehsteig einen sicheren Abstand zur Fahrbahn einhalten und nicht laufen, schubsen oder spielen.
- Mit dem „muskelbetriebenen“ Scooter darf Ihr Kind ab 8 Jahren alleine am Gehsteig fahren. Überdenken Sie als Elternteil aber, ob die Verkehrskompetenz Ihres Kindes dafür auch schon ausreichend ist. Zudem ist das Tragen eines Helms äußerst empfehlenswert.
Wenn Ihr Kind mit Fahrrad, E-Scooter oder Moped zur Schule fährt:
- Erst nach erfolgreich absolvierter Radfahrprüfung darf Ihr Kind alleine mit dem Fahrrad oder mit dem E-Scooter ohne erwachsene Begleitperson im Straßenverkehr unterwegs sein.
- Bedenken Sie, dass eine bestandene Radfahr- oder Mopedprüfung nur die Basis und nicht den Zenit der Kompetenz darstellt. Besprechen Sie mit Ihrem Kind im Alltag immer wieder Verkehrssituationen.
- Helmpflicht gilt in Österreich beim Radfahren bis zum 12. Geb., beim E-Bike-Fahren bis zum 14. Geb., beim E-Scooter-Fahren bis zum 16. Geb., beim Mopedfahren in jedem Alter. Generell ist es äußerst empfehlenswert, sich auf Geräten mit Rädern und Rollen auch über die Pflicht hinaus durch das Tragen eines Helms zu schützen!
- Denken Sie an die gesetzlich verpflichtende, verkehrssichere Ausstattung von Fahrrad, E-Scooter und Moped und an regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen.
Wenn Ihr Kind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule fährt:
- An Haltestellen nicht zu nah am Straßenrand stehen und nicht drängeln.
- Nach dem Aussteigen warten, bis der Bus/die Straßenbahn weggefahren ist und die Sicht frei ist, bevor die Straße überquert wird.
Wenn Ihr Kind mit dem Auto zur Schule gebracht werden muss:
- Halten Sie an einer geeigneten, sicheren Stelle in der Nähe der Schule an und lassen Sie Ihr Kind das letzte Stück zu Fuß gehen!
- Das Kind sollte immer an der Gehsteigseite aussteigen können.