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E-Scooter-Unfälle bei Kindern und Jugendlichen steigen rasant: Neue StVO-Regeln als sinnvoller Schritt

Foto: Markus Mainka/stock.adobe.com

Pressemitteilung – 29. April 2026

 

E-Scooter sind aus dem Verkehr nicht mehr wegzudenken – insbesondere als flexible Lösung für kurze Strecken. Aktuelle Auswertungen des Forschungszentrums für Kinderunfälle der Zahlen der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz zeigen: Während klassische Scooter-Unfälle auf konstantem Niveau bleiben, nehmen E-Scooter-Unfälle stark zu – bei gleichzeitig höherer Verletzungsschwere. Die mit 1. Mai 2026 in Kraft tretende Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) setzt hier gezielt an. Der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE appelliert an alle E-Scooter-Fahrenden, immer und in jedem Alter Helm zu tragen, die Geschwindigkeit klug zu wählen und Ablenkungen zu vermeiden.

 

Deutlicher Anstieg bei E-Scooter-Unfällen

An der Grazer Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie wurden im Vorjahr 161 Kinder und Jugendliche (0–17 Jahre) nach E-Scooter-Unfällen behandelt – ein rasanter und kontinuierlicher Anstieg seit dem Jahr 2021, in dem sich die E-Scooter-Patientenzahl auf gerade mal 9 belief. Aktuell passieren bereits 43 % aller Scooter-Unfälle von unter 18-Jährigen mit dem E-Scooter. Die Zahlen der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz zeigen: Die meisten Unfälle (75 %) ereignen sich zahlenmäßig in der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen, der größte Anteil an Unfällen mit E-Scootern findet sich innerhalb der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen (56 %). Das durchschnittliche Unfallalter liegt beim E-Scooter bei 12,6 Jahren – deutlich höher als beim klassischen Scooter (rund 9 Jahre). Etwa zwei Drittel der E-Scooter-Unfallopfer sind männlich.

Auch die Schwere der Verletzungen sticht heraus:

  • 31 % der E-Scooter-Unfälle führen zu schweren Verletzungen
  • 14,2 % erfordern eine stationäre Aufnahme
  • Schädel-Hirn-Traumata treten doppelt so häufig auf wie bei Scootern (6 % vs. 3 %)

 

StVO-Novelle bringt strengere Regeln

Die ab 1. Mai 2026 geltende StVO-Novelle reagiert auf diese Entwicklung mit klaren Maßnahmen. Die wichtigsten Neuerungen:

  • Helmpflicht für E-Scooter-Fahrende bis zum 16. Geburtstag
  • Blinker und Klingel/Hupe verpflichtend (zusätzlich zur bereits bisher vorgeschriebenen Ausstattung)
  • Alkoholgrenze von 0,5 Promille

 

Helm schützt vor schweren Kopf- und bleibenden Gehirnverletzungen

Trotz der hohen Verletzungsgefahr beim E-Scooter-Fahren trägt nur etwa die Hälfte bis höchstens Dreiviertel der verunfallten Kinder und Jugendlichen einen Helm. Dabei zeigt die Forschung klar: Ein Helm kann das Risiko schwerer Kopfverletzungen um bis zu 69 % reduzieren und die einwirkende Energie um über 80 % mindern.

„Das Tragen eines gut sitzenden Helms ist entscheidend. Wir sehen in der Praxis, dass ein Helm den Unterschied zwischen leichten und lebensverändernden Verletzungen machen kann“, betont Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz.

 

Unfälle oft selbstverschuldet – Risiko wird unterschätzt

Ein Großteil der Unfälle sind sogenannte Einzelstürze. Zu den Hauptursachen zählen:

  • kleine Räder und instabile Fahrweise
  • hohe Geschwindigkeit bei gleichzeitig eingeschränkter Wahrnehmung
  • der sogenannte „Freeze-Effekt“ (Festklammern am Lenker), bei dem die natürliche Abfangreaktion ausbleibt

„Viele unterschätzen die Dynamik eines E-Scooters“, erklärt Dr. Peter Spitzer, Generalsekretär des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Leiter des Forschungszentrums für Kinderunfälle. „Ein Sturz bei 25 km/h entspricht in seiner Aufprallenergie nahezu einem Fall aus rund drei Metern Höhe. In Kombination mit dem ‚Freeze-Effekt‘ ist daher die Gefahr von schweren Kopfverletzungen sehr hoch.“

 

Verkehrssicherheitskultur ebenso entscheidend

Neben gesetzlichen Maßnahmen sehen Expert:innen vor allem die gesellschaftliche Entwicklung als entscheidend: Helme müssen, ähnlich wie beim Skifahren, Teil der Alltagskultur werden. „Sicherheit beginnt im Kopf – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn“, so Till. „Wenn Helmtragen als selbstverständlich wahrgenommen wird, besonders schon im Kindesalter, dann wirkt das nachhaltig bis ins Erwachsenenleben.“

„Zudem wäre es äußerst wichtig, den Scooter im Verkehrserziehungsunterricht bereits in der 3. Klasse Volksschule zu thematisieren sowie den E-Scooter im Rahmen der freiwilligen Radfahrprüfung (üblicherweise in der 4. Klasse Volksschule) praktisch einzubinden“, ergänzt Spitzer.

 

Sicherheitstipps E-Scooter

  • Helm tragen – immer und in jedem Alter
  • Sich vorsichtig an ein neues Gerät herantasten, Können richtig einschätzen
  • Geschwindigkeit tendenziell niedrig halten, dem Können und den Verkehrsgegebenheiten anpassen
  • Blick nach vorne, Ablenkungen (Smartphone, Kopfhörer) vermeiden
  • Auf den Untergrund achten – besonders wichtig aufgrund der kleinen Räder
  • Zu zweit fahren oder sperrige Güter transportieren ist verboten
  • Auf Alkohol verzichten
  • Nur auf erlaubten Verkehrsflächen (wie Fahrrad) fahren
  • Gut sichtbar unterwegs sein, verkehrssichere Ausstattung beachten

Zusammengefasst: Die größten Risiken sind hohe Geschwindigkeit, fehlender Helm und Selbstüberschätzung. Die Zauberformel für Sicherheit lautet demnach: Helm + langsames Fahren + volle Aufmerksamkeit