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„Augen auf die Straße“-Workshops: Mehr Verkehrssicherheit für über 1.600 Volksschulkinder steiermarkweit

v. l. n. r.: A. Lackner, V. Grundner (beide GROSSE SCHÜTZEN KLEINE), C. Holzer (Land Steiermark), H. Till (GROSSE SCHÜTZEN KLEINE), M. Knauer-Lukas (Land Steiermark), E. Fanninger, I. Kern (beide GROSSE SCHÜTZEN KLEINE), G. Schachinger (VS Groß St. Florian) mit den Kindern der VS Groß St. Florian

Pressemitteilung – 3. Dezember 2025

 

Im Jahr 2024 verunfallten 2.514 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 14 Jahren in Österreich im Straßenverkehr, 323 davon in der Steiermark. Viele dieser Unfälle wären vermeidbar. Seit dem Jahr 2023 tourt der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE mit seinen „Augen auf die Straße“-Workshops durch die steirischen Volksschulen. Bisher erfuhren so über 1.600 Schüler:innen aus 96 Klassen in 40 Schulen spielerisch und anschaulich, wo im Straßenverkehr die größten Gefahren lauern und wie man diese bestmöglich vermeiden bzw. entschärfen kann. Dank der Unterstützung des Verkehrsressorts des Landes Steiermark ist die Teilnahme kostenfrei.

 

Ab 10 Jahren steigt Unfallrisiko stark an, E-Scooter spielt zunehmende Rolle

Laut Statistik Austria erlitten im Jahr 2024 in Österreich 2.514 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 14 Jahren im Straßenverkehr einen Unfall, 323 davon entfielen auf die Steiermark. Rund 56 % verunfallten als „aktive Verkehrsteilnehmer:innen“ (zu Fuß, mit (E-)Fahrrad oder (E-)Scooter etc.), 44 % als „passive Verkehrsteilnehmer:innen“ (Mitfahren im PKW, in öffentlichen Verkehrsmitteln etc.). Eine detaillierte Betrachtung der Kategorie „aktive Verkehrsteilnahme“ zeigt, dass die meisten Unfallopfer mit dem (E-)Fahrrad unterwegs waren (Ö 41 %, Stmk 47 %). Dahinter folgen zu ähnlich hohen Anteilen „zu Fuß“ (Ö 29 %, Stmk 22 %) und „mit dem (E-)Scooter“ (Ö 24 %, Stmk 26%). Mit Scootern verunfallte 6–14-Jährige waren in 8 (Ö) bzw. 9 (Stmk) von 10 Fällen mit dem E-Scooter unterwegs – der „muskelbetriebene“ Scooter spielte hier eine untergeordnete Rolle.

 

Besonders auffällig: Ab 10 Jahren stieg die Unfallrate mit jedem Lebensjahr deutlich an. So war diese im Jahr 2024 bei 13- oder 14-Jährigen etwa doppelt so hoch wie bei Kindern zwischen 6 und 9 Jahren. „Einer der Hauptgründe hierfür ist, dass ab der freiwilligen Radfahrprüfung bzw. ab dem Alter von 10, 12 Jahren neue Fortbewegungsarten hinzukommen: Die Kinder und Jugendlichen sind alleine mit dem (E-)Fahrrad und mit dem E-Scooter im Straßenverkehr unterwegs, wobei gerade der E-Scooter ja einen regelrechten Boom erlebt. Ab 12 Jahren sind Kinder besonders gefährdet, einen Unfall mit dem E-Scooter oder mit dem E-Bike zu erleiden“, betont Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz. „Auch Selbstüberschätzung und risikofreudiges Verhalten gehören zu den Faktoren, die bei älteren Kindern und Jugendlichen das Unfallrisiko erhöhen. Vor allem in der dunklen Jahreszeit wird zudem die Wichtigkeit, sich selbst und sein Fortbewegungsgerät mit Reflektoren, Lichtern, bunter Kleidung etc. gut sichtbar zu machen, oftmals unterschätzt.“ Unbedingt informieren sollte man sich hier auch über die gesetzlich verpflichtende verkehrssichere Ausstattung von Fahrrad und E-Scooter.

 

„Augen auf die Straße“-Workshops setzen in der 3. und 4. Schulstufe an

Die „Augen auf die Straße“-Workshops für Volksschulen wurden vom Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsressort des Landes Steiermark im Zuge dessen gleichnamiger Kampagne entwickelt. Aufgrund der stark ansteigenden Unfallrate bei Kindern ab 10 Jahren richtet sich der Workshop vor allem an Kinder der 3. und 4. Schulstufe. „Nach Absolvieren der freiwilligen Radfahrprüfung (üblicherweise in der 4. Klasse) dürfen die Kinder nicht nur alleine mit dem (E-)Fahrrad oder dem E-Scooter im Straßenverkehr unterwegs sein, auch Ablenkungen – sei es durch das Smartphone oder durchs Musikhören mit Kopfhörern – spielen nun eine zunehmende Rolle und erhöhen das Unfallrisiko stark. Diese Themen sind deshalb Schwerpunkte in unseren Workshops und wir versuchen, die Schüler:innen spielerisch dafür zu sensibilisieren“, erklärt Till. Die Workshop-Inhalte und -Unterlagen basieren auf umfassenden Studien des Forschungszentrums für Kinderunfälle des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE, die in den letzten Jahren ebenso vom Verkehrsressort des Landes Steiermark unterstützt wurden.

 

Bereits über 1.600 VS-Kinder aus 40 steirischen Volksschulen erreicht

Seit 2023 tourt der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE mit seinen „Augen auf die Straße“-Workshops durch die Steiermark. Dank der Unterstützung des Verkehrsressorts des Landes Steiermark konnten so bereits 40 Schulen mit 96 Klassen und über 1.600 Schüler:innen steiermarkweit kostenfrei an diesem Programm für Sicherheit im Straßenverkehr teilnehmen.

 Verkehrslandesrätin Claudia Holzer: „Hinsichtlich Verkehrssicherheitsarbeit nimmt die Steiermark sicherlich eine Vorreiterrolle ein. Denn bereits im Jahr 2003 wurde der Verkehrssicherheitsbeirat, dem Maria Knauer-Lukas von der Abteilung 16 vorsteht, gegründet. Ein Jahr später wurde das erste Verkehrssicherheitsprogramm erstellt, im nächsten Jahr wird das mittlerweile vierte präsentiert werden. Es freut mich sehr, dass der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE die im Jahr 2017 gestartete Kampagne ‚Augen auf die Straße‘, die sich speziell dem Thema Ablenkung im Straßenverkehr widmet, aufgegriffen hat und in Volksschulen Workshops veranstaltet, die den Kindern das Thema Sicherheit im Straßenverkehr spielerisch vermitteln. Und ich darf Ihnen heute mitteilen, dass wir diese erfolgreiche Kooperation selbstverständlich auch im nächsten Jahr weiterführen werden.“

 

Sehen, Hören und Körperbeherrschung als wesentliche Sicherheitsfaktoren

Neben Ablenkungen stehen auch Trittsicherheit und Koordinationsfähigkeiten sowie der tote Winkel und Sichteinschränkungen im Straßenverkehr im Fokus der „Augen auf die Straße“-Workshops. „Die Kinder erarbeiten gemeinsam mit uns anschaulich und spielerisch, wie wichtig die Sinne, vor allem das Sehen und das Hören, für ihre Sicherheit im Straßenverkehr sind“, betont Indra Kern, Projektleiterin bei GROSSE SCHÜTZEN KLEINE. „Die Übungen umfassen u. a. die Lokalisation von Geräuschen, das Erkennen spezifischer Signale im Straßenverkehr (Einsatzorganisationen, reversierender Lkw, Straßenbahn, Zug etc.) sowie das Herausfiltern wichtiger Geräusche aus einer Vielzahl von Nebengeräuschen und Ablenkungen (Musik, Gespräche, Straßenlärm etc.). Zum Thema ‚Sehen‘ gibt es u. a. ein Puzzle, das am Ende einen Gegenstand zeigt, der eine große Rolle in unserem Alltag im Straßenverkehr spielt, z. B. Kopfhörer. Danach wird in der Klasse diskutiert, weshalb dieser Gegenstand im Verkehr ablenkend und somit gefährlich sein kann. Auch Fotos mit potenziell gefährlichen Situationen werden besprochen und gemeinsam werden Verbesserungs-vorschläge erarbeitet.“ Abschließend geht es in den Turnsaal, wo sich alles um Trittsicherheit und Koordinationsfähigkeiten dreht: In einem speziellen Verkehrssicherheitsparcours springen die Schüler:innen durch Reifen und mit der Springschnur, balancieren über Bänke, zielen Bälle in den Korb usw. – zuerst ohne, dann mit Ablenkung: Während die Kinder den Parcours bewältigen, wird ihnen eine Geschichte vorgelesen und sie müssen sich auch allerhand andere Dinge rund um den Parcours merken. Danach werden Fragen zum Gehörten und Erlebten gestellt und es wird besprochen, wie diese Ablenkung ihre Aufmerksamkeit und Konzentration beeinflusst hat.

 

„Augen auf die Straße“-Toolbox steht allen Pädagog:innen kostenfrei zur Verfügung

Zusätzlich zu den Workshops an den Schulen bzw. auch unabhängig davon stehen Pädagog:innen umfangreiche Unterrichtsunterlagen und E-Learning-Inhalte für die 1. bis 6. Schulstufe (Schwerpunkt: 3.–4. Schulstufe) zum Thema zur Verfügung. Diese wurden in den vergangenen Jahren von GROSSE SCHÜTZEN KLEINE mit Unterstützung des Verkehrsressorts des Landes Steiermark entwickelt. Die Toolbox beinhaltet Sport- und Bewegungsübungen, Videos, Simulationen und Arbeitsblätter und ist (kosten-)frei zugänglich. Die Inhalte können von den Pädagog:innen selbst in den Unterricht integriert werden. www.grosse-schuetzen-kleine.at/e-learning

 

Fit für den Straßenverkehr

„Unfälle bedeuten immer große Aufregung und oft auch viel Leid für die Familien. Die Verantwortung für die Sicherheit der Kinder liegt natürlich bei uns Erwachsenen. Da Dritt- und Viertklässler jedoch bereits häufig alleine im Straßenverkehr unterwegs sind – sei es zu Fuß, mit dem (E-)Scooter, mit dem (E-)Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln –, ist es Ziel unseres „Augen auf die Straße“-Programms, die Schüler:innen spielerisch und interaktiv für spezifische Gefahren zu sensibilisieren und ihnen entsprechende Sicherheitstipps aufzuzeigen. Wir freuen uns sehr, dass wir, dank der Unterstützung des Verkehrsressorts des Landes Steiermark, die Workshops den Schulen auch nächstes Jahr wieder anbieten können. Wenn wir dadurch nur einen einzigen Unfall verhindern können, hat sich unsere Arbeit schon mehr als gelohnt“, so Till abschließend.

 

Anmeldung für die „Augen auf die Straße“-Workshops im Jahr 2026

Interessierte Volksschulen aus der Steiermark können sich bereits jetzt voranmelden: Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE, Indra Kern, indra.kern@uniklinikum.kages.at, 0316/385-13764

 

Pädagog:innen und Schüler:innen über die „Augen auf die Straße“-Workshops

 

„Als Schulleiterin finde ich diesen Workshop sehr wertvoll und wichtig. Die Kinder konnten in verschiedenen Übungen erfahren, dass wir unsere Sinne für die Sicherheit im Straßenverkehr benötigen und übten auch, wie diese aktiv eingesetzt werden sollen. Der Workshop ‚Augen auf die Straße‘ leistet einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit unserer Schüler:innen im Straßenverkehr.“

Gabriele Schachinger, Direktorin VS Groß St. Florian

 

„Spielerisch wurden im ‚Augen auf die Straße‘-Workshop des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE viele wichtige Punkte behandelt. Es wurden alle Sinne, die für die Sicherheit im Straßenverkehr wichtig sind, angesprochen und aktiv eingesetzt.“

Helga Miedl-Rissner, Pädagogin VS Möderbrugg

 

„Es war sehr cool und spannend. Mir hat es sehr gut gefallen. So ein Projekt braucht man, weil man da viel lernt, wie man es richtigmachen soll. So ein Projekt ist sehr wichtig für das Leben. Die Spiele waren sehr cool. Ich habe mir viele Sachen gemerkt. Zum Beispiel: Bei der Kreuzung nicht aufs Handy schauen, nicht telefonieren und keine Musik hören.“ – Sofia

 

„Das Puzzle mit den Sachen, die uns im Verkehr ablenken können, war sehr lustig. Am besten war der Parcours. Es war voll schwierig, sich die Geschichte zu merken.“ – Amir

 

„Das Projekt war sehr wichtig, damit man lernt, im Straßenverkehr besser aufzupassen und alle Sinne einzusetzen.“ – Leon

 

„Es hat mir alles sehr gut gefallen. Man braucht das für unser Wissen und für die Sicherheit auf der Straße.“ – Katharina

 

Weiterführende Infos

 

Best-Practice-Projekt

Das Projekt „Augen auf die Straße – für Kinder“ des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE wurde 2023 mit dem Österr. Verkehrssicherheitspreis AQUILA ausgezeichnet.