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Fokusreport Trauma und COVID19: Das Unfallgeschehen im Jahr 2020 in einer außergewöhnlichen Zeit

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Zusammenfassung

COVID-19 ist eine durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursachte Infektionskrankheit. Sie wurde erstmals 2019 in der Metropole Wuhan (Provinz Hubei, China) beschrieben, entwickelte sich im Januar 2020 in der Volksrepublik China zur Epidemie und breitete sich schließlich zur weltweiten COVID-19-Pandemie aus.
In Österreich tritt das Virus erstmals Ende Jänner auf, in den beiden Folgemonaten entwickelt sich der Wintertourismus zum allgemeinen Hotspot und Verbreiter der Pandemie. Ab Mitte März kommt es zu anwachsenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens und vom 16. März bis zum 13. April kam es zu einem ersten vierwöchigen Lockdown. Diese umfassende Schließung des öffentlichen Lebens hat dramatische Auswirkungen auf die Wirtschaft, das Arbeitsleben, das Bildungswesen, die Gesellschaft und den einzelnen Menschen. Doch die Hoffnung auf eine baldige Normalisierung schwindet nach dem Sommer 2020 gänzlich dahin. Weitere Einschränkungen und Lockdowns folgen.
Diese vorliegende Analyse zeigt die Auswirkungen von Corona und den einhergehenden Schutzmaßnahmen für die Gesundheit auf das Unfallgeschehen der steirischen Bevölkerung. Für die Analyse wurden die Daten der steirischen Unfalldatenbank herangezogen, wobei die Gesamtbevölkerung quantitativ und die Kinder und Jugendlichen auch qualitativ betrachtet wurden.

Im Report „Trauma und COVID. Das Unfallgeschehen während des Lockdown“ (Peter Spitzer, Georg Singer, Holger Till: Trauma und COVID. Das Unfallgeschehen während des Lockdown. Fokusreport 2020. Graz, im August 2020) wurde die Auswirkung des – jetzt sogenannten ersten – Lockdowns auf die Versorgung von Unfällen in den steirischen Spitälern untersucht. Die Details können im entsprechenden Report nachgelesen werden, werden aber auch auszugsweise im Kapitel 1. „Isolierte Betrachtung des Lockdown im Jahr 2020“ in diesem Report nochmals dargelegt.

Der Vergleich der Absolutzahlen zeigt den Gleichklang im Februar, den beginnenden Rückgang in den beiden ersten Märzwochen und den gewaltigen Einbruch der Unfallzahlen während des Lockdown. Man sieht in weiterer Folge aber auch deutlich die nur langsame Erholung nach Ende desselben.
Eine Berechnung auf Basis der durchschnittlichen Tagesbehandlungen je Phase zeigt noch deutlicher den Einbruch der Unfallzahlen auf. Im Lockdown sehen wir einen Rückgang um 60 %. Ein detaillierter Blick auf die verschiedenen Altersgruppen zeigt, dass die der 15 bis 24-Jährigen und der 25 bis 64-Jährigen am stärksten von den Bewegungseinschränkungen und somit von rückgängigen Unfallzahlen betroffen sind. Eine differenzierte Betrachtung der Altersgruppen Kinder zeigt, dass vor allem die Bewegungsaltersgruppen der 5 bis 9-Jährigen und insbesondere die der 10 bis 14-jährigen Kinder relativ deutlich im Lockdown und auch noch in den Folgephasen von den Bewegungseinschränkungen betroffen sind.
Die qualitative Analyse der Kinderunfälle im Altersbereich von 0 bis 16 Jahre zeigt im Jahr 2020 die Verlagerung der Unfallanteile zu den Jüngsten. Der stationäre Behandlungsanteil hat sich weder in den Vergleichsjahren noch in den Altersgruppen signifikant verändert und liegt bei rund 7 %. Die Schwere der Verletzung ist im Jahres- und COVID-Phasenvergleich nahezu ident. Ein Vergleich der Unfallkategorien macht deutlich, dass Kindergarten und Schule grundsätzlich geschlossen waren, dass die Kinder weniger im Verkehr unterwegs waren, und, dass eine Sportausübung nur eingeschränkt möglich war. Umgekehrt verbrachte man – gezwungenermaßen – viel Zeit zu Hause. Für die Zeit des Lockdown werden in einer eigenen Analyse die Behandlungsfrequenzen an der Univ. Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie der letzten Jahre gegenübergestellt. Nebst dem Einbruch der Behandlungszahlen um rund 75 % sticht vor allem der Rückgang des Anteils der Kontakte in der Unfallambulanz aufgrund einer ambulanten Wiederbestellung zwecks Nachkontrolle um knapp 40 % heraus.

Im vorliegenden Report steht die quantitativen Betrachtung des StISS – (Styrian Injury Surveillance System) Unfallzahlen in den Krankenhäusern der steirischen KAGes und die qualitative Analyse der Unfalldatenbank der Univ. Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz im Vordergrund. Ergänzend werden auch die Gesamtmobilität der Österreicher*innen mit den Daten der ASFiNAG und weiteren Quellen beschrieben und die Sars-Cov19-Zahlen der AGES kurz dargestellt.
In zwei kleinen historischen Exkursen werden einerseits die Neologismen zur Beschreibung der Pandemie und die Wörter des Jahres 2020 beleuchtet, und anderseits im Sinne einer Abrundung des Gesamtbildes werden die von der Bundesregierung erlassen Gesetze und Verordnungen plus markante Begleitmaßnahmen des ersten Pandemiejahres tabellarisch aufgelistet.
In dieser Arbeit wird das erste Jahr der Pandemie in Phasen von drei Lockdowns und sechs Zwischenphasen strukturiert und methodisch mit dem Durchschnittswert der gleichen Phasen der Jahre 2018 und 2019 verglichen.

Die erste Infektionswelle im März 2020 ist angesichts des bis dato absoluten Gipfels im November 2020 im Jahreslauf fast gar nicht mehr auszumachen. Der Maximalwert der laborbestätigten Fälle betrug am 11.11.2020 genau 9.205 Neuinfektionen (Max 11.11.2020 / n=9.205). Die 7-Tage-Inzidenz zeigt deutlich, wie sich ein Lockdown etwa 10 bis 14 Tage später auch in den Infektionszahlen bemerkbar macht.

Die 7-Tage-Inzidenz-Kurve der Steiermark unterscheidet sich weder in den Maxima noch in der Kurvenbewegung von der epidemiologischen Kurve von Gesamtösterreich.
Eine Analyse der Todesfälle und der Patient*innen auf Normal- und Intensivstation zeigt, dass sich die Zahlen von Februar / März 2021 nach einem extremen Gipfel im November 2020 wieder auf dem Niveau vom März/April 2020 befinden.

Die drei Lockdowns mit Home-Office und Home-Schooling und die eingeschränkten und reduzierten Möglichkeiten dazwischen, was vor allem das Schopping an sich oder den Freizeittourismus betrifft, bilden sich auch in den Analysen verschiedener Mobilitätsdaten ab. Es zeigt sich freilich auch, dass die Einhaltung der Lockdown-Regeln vor allem im ersten Lockdown sehr konsequent war.
Im Jahresbericht 2020 der Wiener Linien sieht man die Auswirkungen der Pandemie mit ihren Mobilitätseinschränkungen im Pandemiejahr 2020 sehr deutlich. Die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel fiel im Vergleich zum Vorjahr um 40 %.
Von der in Graz ansässigen Firma Invenium, einem Kooperationspartner der A1 Telekom Austria Group, wurde über die Handydaten die Mobilität der A1-Kunden während der drei Lockdowns analysiert. Im Normaljahr 2019 liegt der Wert der sogenannten Daheimbleiber, welche sich nur im Radius von einem Kilometer von zu Hause wegbewegen, bei 27 %. Im ersten Lockdown hat sich dieser Wert auf 55 % mehr als verdoppelt. Im Lockdown zwei und drei pendelt dieser dann um die 40 %.

Für die Analyse der Verkehrsmobilität wurden die offiziellen Monatsdaten der ASFiNAG herangezogen. Die Auswertung der verfügbaren Daten wurde dabei auf das Fahrzeug „KFZ“ eingeschränkt und die Daten konnten mit dem Mittelwert nur dem gesamten Monat zugeordnet werden. Grundsätzlich baut sich die Mobilität bis zum Sommer mit den Monaten Juli und August sukzessive auf und erreicht im Februar, der zweiten Urlaubshauptsaison nach dem Sommer, einen weiteren Gipfel. Der Lockdown-Effekt bildet sich in den Mobilitätszahlen an Sonn- und Feiertagen noch stärker ab als an den Wochentagen. So kam es im April zum stärksten Rückgang mit 74 %. Im März, November und Jänner waren mit etwas mehr als 40 % Rückgang die Lockdowns ebenfalls sehr gut abgebildet. In den Monaten Juli bis September sehen wir den Gipfel der Mobilität und auch den geringsten Abstand bzw. Rückgang zum Normalwert.

Die insgesamt reduzierte Mobilität kann auch sehr gut in den Zahlen der tödlich verunglückten Personen abgelesen werden. Die tödlichen Verkehrsunfälle sind in Österreich im Jahr 2020 um 18 % zurückgegangen. Einen großen Beitrag dazu hat sicherlich auch der reduzierte Urlauberreiseverkehr im Sommer geleistet. Aber auch bei den tödlichen Verkehrsunfällen 0-14 Jahre, wo dieser Urlaubstransit kaum Auswirkungen hat, gab es einen signifikanten Rückgang um 79 %. Zudem kam kein Kind im Alter von 6 bis 15 Jahren bei einem Schulwegunfall ums Leben.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Reports waren die detaillierten Daten über die Todesursachen 2020 von der Statistik Austria noch nicht verfügbar. Eine Hochrechnung durch das Forschungszentrum lässt jedoch auch hier einen Rückgang erwarten, der sich um die 7 % bewegen wird. Dieser Trend, aber viel stärker, wird sich auch bei den tödlichen Kinderunfällen niederschlagen. Im Forschungszentrum für Kinderunfälle konnte beim Vergleich mit den letzten 10 Jahren bei den medial berichteten und durch das Forschungszentrum gesammelten Berichten ein Rückgang von 48 % ausgemacht werden. Ein ähnlicher Wert ist letztlich auch bei den offiziellen Daten zu erwarten.

Im gesamten Analysezeitraum von Jänner 2018 bis Februar 2021 wurden im StISS insgesamt 394.803 Unfälle verzeichnet, welche in einem Spital der Steirischen KAGes ambulant oder stationär versorgt wurden. Der Analyseperiode von jeweils Februar zu Februar liegen letztendlich insgesamt 371.402 behandelte Unfälle zu Grunde.
In einem Vergleich von COVID-Jahr und Referenzperiode wurden um 27 % weniger Unfälle in einem Krankenhaus der Steirischen KAGes behandelt. Berücksichtigt man zusätzlich den Trend der letzten Jahre, welcher freilich einmal eine Steigerung, manchmal auch einen Rückgang auswies, so kann man bereinigt von einer Reduktion der Unfallzahlen von rund 25 % durch die Pandemie sprechen.
Ein Blick auf eine grobe Strukturierung bei den Altersgruppen verdeutlicht, dass die Senior*innen aufgrund des geringsten Rückganges der Unfallzahlen wohl auch am geringsten durch die Einschränkungen von ihren gewohnten Tätigkeiten Abstand nehmen mussten. Am stärksten waren die Kinder und Jugendlichen betroffen, bei denen durch Home Schooling und durch das faktische Verbot vieler Freizeit- und Sportarten der massivste Einschnitt zu verzeichnen gewesen war.
Eine Analyse der detaillierten Lockdown-Zeiträume und der Zwischenphasen unterstreicht nochmals die Wirkung und Auswirkung des 1. Lockdowns mit einem regelrechten Einbruch der Unfallzahlen mit 61 %. Mit dem 2. Lockdown halbiert sich dieser Einfluss nahezu, wohl ein Ausdruck der bereits größeren Mobilität und des reduzierten Compliance-Verhalten der Bevölkerung.
Das durchschnittliche Unfallalter ist im COVID-Jahr um zwei Jahre auf 42,93a angestiegen, was die stärkere Präsenz der älteren Bevölkerung in der Unfallverteilung widerspiegelt. Bei der Verteilung der Geschlechter hat sich im Analysezeitraum keine Veränderung ergeben. Das männliche Geschlecht dominiert knapp mit 54 %.
Die stationäre Aufnahme von Patient*innen ist in beiden Analysezeiträumen anteilsmäßig auf ähnlichem Niveau geblieben. Betrug diese im Referenzzeitraum 10,2 %, so stieg dieser Wert im COVID-Jahr auf 11,9 % an. Im Lockdown 1 betrug der Anteil sogar 14,7 %, was einen hoch signifikanten Anstieg bedeutet. Man ging also verstärkt nur bei einem „großen Aua“ ins Krankenhaus.

Für die qualitative Analyse werden 41.570 Kinder und Jugendliche der Altersgruppe 0 bis 19 Jahre miteinbezogen, welche an der Kinder- und Jugendchirurgie Graz behandelt wurden. Bei einem Vergleich der Analyseperioden ergibt sich bereinigt eine Reduktion von 30,00 % durch das Ausnahmejahr in der Altersgruppe bis 19.
Bei den Kindern und Jugendlichen waren die Kleinsten von den Einschränkungen am wenigsten betroffen, die Älteren hingegen am stärksten, was wohl auch den Grund für die Reduktion der Unfallzahlen von knapp 17 % bzw. 43 % darstellt.
Ein Vergleich der Altersgruppen macht die Verlagerung zu den Jüngsten deutlich. Dies lässt sich durch die situationsbedingten Einschränkungen der Freizeit- und Sportmöglichkeiten für die älteren Kinder und Jugendlichen erklären. Entsprechend nahm auch das Durchschnittsalter beim Unfall von 8,8 Jahren auf 8,1 Jahre ab.
Der Anteil der Mädchen bewegt sich je nach Altersgruppe in einer stabilen Range zwischen 41 und 43 %.
Der stationäre Behandlungsanteil hat sich von 8 % auf 9,2 % erhöht. Diese Steigerung ist eindeutig auf die Mittleren und Älteren zurückzuführen, wo es offensichtlich zu einer häufigeren Selbsteinschätzung seitens der Eltern kam, das in Anbetracht der aktuellen Situation mit einer leichten Verletzung „nur zur Sicherheit“ eher nicht ins Spital gegangen wird.
Der Anteil der schweren Verletzung hat signifikant von 29,6 % auf 34,2 % zugenommen. Wie bei den Zahlen zur Aufnahmeart dürfte auch hier die Situation der schwereren Erreichbarkeit der Klinik (Einfahrtsbeschränkungen, Kontrollen, Cov-Tests) und die Angst vor Infektionen die „nur zur Sicherheit“-Besuche in der Ambulanz reduziert haben. Nur bei den Jugendlichen kam es zu keiner signifikanten Veränderung, was den Rückschluss zulässt, dass Bagatellabklärungen in dieser Altersgruppe generell nicht so häufig stattfinden wie bei den jüngeren Kindern.
Die größte Gruppe unter den schweren Verletzungen stellen die Frakturen dar. Diese sind von 20,4 % auf 23,4 % signifikant angestiegen. Das ist auf einen entsprechenden Anstieg in den beiden Altersgruppen der Mittleren und Älteren zurückzuführen.

Als zweiter wichtiger Marker für schwere Verletzungen sind Schädel-Hirn-Traumata anzuführen. Auch hier gab es eine signifikante Steigerung von 3,4 % auf 4,5 %.
Die Veränderungen bei den Verletzungen zeigen auch entsprechende Auswirkungen auf die Verteilung der Körperregionen. So ist der Anteil des Kopfes auf 34,4 % (+3,2) signifikant gewachsen, etwas der Anteil der Oberen Extremitäten auf 34,5 % (+1,1), während der Anteil der Verletzungen bei den unteren Extremitäten signifikant auf 24,2 % (-3,5) heruntergegangen ist. Die Frakturen als typische Sturzverletzung betrifft nun mal häufiger die Arme und die Schulterregion.
Eine Verletzung mehrere Körperregionen als Marker für große Unfallenergie, welche zumeist bei Verkehrsunfällen und temporeichen Sportarten auftritt, ist zwar mit 0,4 % nur selten vertreten, hat sich aber in diesem Beobachtungszeitraum – von 0,7 % ausgehend – beinahe halbiert. Ausschlaggebend für diese Reduktion sind ebenfalls geringere Anteil bei den Altersgruppen der Älteren und der Jugendlichen, was ein Indiz für eine geringere Verkehrsteilnahme (Stichwörter: Home Schooling, kein Vereinssport, keine Wochenendlokale und Bars) und folge dessen weniger Verkehrsunfälle ist.
Differenziert man die Unfallkategorien während des ersten Lockdowns nach Altersgruppen, so sieht man, dass der Unfall im eigenen Zuhause bei allen Altersgruppen bei über 50 % liegt. Der Schülerunfall geht in allen relevanten Gruppen gegen 0 %. Der Spiel- / Sportunfall bricht anteilsmäßig hingegen bei den beiden älteren Gruppen vollends ein.
Betrachtet man hingegen das ganze COVID-Jahr, so verkleinern sich so manche Peaks. Generell jedoch lassen sich die Verschiebungen in Richtung Unfälle zu Hause und eine Reduktion bei den Freizeit-/Sportunfällen und v.a. Schulunfällen erkennen. Den größten proportionalen Zuwachs bei den Unfällen zu Hause erreichen die 10 bis 14-Jährigen auf 48,3 % (+18,8); den absolut höchsten Wert haben die Jüngsten mit 80,9 %.
Der Verkehrsunfall erfährt nur geringe proportionale Veränderungen und bleibt bei den Jugendlichen, wo ja das Moped eine zentrale Rolle spielt, mit 16 % auf einem hohen Niveau.

Eine reine Reduktion der Sichtweise auf die Unfallzahlen und deren Rückgang während der verschiedenen Beobachtungszeiträume könnte dem Corona-Virus gegenüber also auch eine positive Sicht der dramatischen Situation nahelegen.
Die Reduktion der Unfälle an sich und vor allem um diese Prozente würde einen Unfallverhüter zu entsprechenden Jubelrufen verführen, wenn es im Sinne eines Erfolges auf Präventionsprojekte zurückzuführen wäre. Leider ist diesem nicht so: Die Reduktion der Freizeit- und Sportunfälle basiert auf einer situationsbedingten und teilweisen Unmöglichkeit ihrer Ausübung. Die Verlagerung der Bewegungsmöglichkeit in Haus und Garten führte dort aber zum gegenteiligen Effekt mit einem anteilsmäßigen Anstieg. Da jedoch die Unfall- und Verletzungsenergie bei Fortbewegungen auf ebener Erde und mit den eigenen Füßen eher gering und für einen menschlichen Körper aushalt- und überstehbar ist, ging die Gesamtzahl der Unfälle, welche aufgrund ihrer Verletzungsschwere ein Aufsuchen einer Spitalsambulanz notwendig erschienen ließ, zurück.
Das ugs. „weinende Auge“ betrifft die Auswirkungen des ersten Jahres der Pandemie auf die Sportlichkeit der Kinder und Jugendlichen. Vereinssport, Schulsport, Freizeitaktivitäten in der Gruppe / Mannschaft – alles war, wenn überhaupt, nur eingeschränkt möglich.
Und somit gibt es durch das „komische“ Jahr 2020 einerseits positive, weil senkende Auswirkungen auf die Anzahl der spitalsbehandelten Verletzten nach einem Unfall, andererseits zeigen sich aber bereits in anderen Studien negative Auswirkungen auf die multiplen Aspekte der Gesundheit der Gesamtbevölkerung.
Wie sich physisch wie psychisch der Lockdown und die Beschränkungen rundherum ausgewirkt haben oder erst auswirken werden, ist gerade Gegenstand vieler Untersuchungen und Studien. Letztendlich werden dem Corona-Virus nicht nur direkte medizinische Auswirkungen als Krankheit attestiert, sondern auch viele Side-Effekts und Kollateralschäden auf die Gesundheit aller Bevölkerungsgruppen und Altersbereiche.

Beispielhaft und schlagwortartig sollen hier nun zentrale Probleme und Kollateralschäden von Lockdown und Einschränkungen angeführt werden:

  • Bewegungsmangel
  • Mehr Speck auf den Hüften
  • Koordinationsprobleme
  • Verändertes Zeitgefühl
  • Körperliche Imbalancen und Dysbalancen
    (von muskulären Haltungsverspannungen bis zu vermehrter Kurzsichtigkeit)
  • Psychische Probleme
  • Schlafschwierigkeiten
  • Lieferengpass bei gewissen Sportgeräten (v.a. Fahrrädern) aufgrund der unterbrochenen Wirtschaftsketten
  • Sporthandel in großen wirtschaftlichen Problemen
  • Forderung nach mehr Sportmöglichkeiten (Umfang, Sportstätten)
  • Mehr in die Natur: mehr Zwischenfälle mit Kühen beim Wandern und FSME-Erkrankungen
  • Urlaub in Österreich mit Wandern und Naturerlebnis: Grüner Heimaturlaub als Phänomen – jedoch mit einem Anstieg der Mountainbike- und Wanderunfälle (inkl. Kuhattacken)

Zentrale Erkenntnisse aus der Situation für die Unfallverhütung:

  • Die Pandemie hat die Lebenswelten verändert.
  • Der Aktions- und Aktivitätsbereich der Menschen wurde verschoben und verlagert.
  • Die Unfallverhütung muss rasch die neue Realität analysieren und
  • die Präventionsaktivitäten darauf abstimmen unter
  • Verwendung bzw. Entwicklung neuer Kommunikationsmethoden.