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Blind-Spot-Analyse Teil 2: Unfallarten mit Versorgung in Spezialzentren abseits der Unfallchirurgie

Getagged in: Augenklinik, Kinderunfälle vermeiden, Spezialkliniken, Zahnklinik

Die Steirische Unfalldatenbank, das sogenannte „Styrian Injury Surveillance System“ (StISS), ermöglicht eine detaillierte Vollerfassung des Unfallgeschehens in einem österreichischen Bundesland. Die steirischen Spitäler behandeln pro Jahr rund 160.000 Personen, die sich aufgrund eines Unfalls verletzt haben. Darunter sind etwa 32.000 Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr. Eine strukturierte Analyse der Krankheitsakten ermöglicht es, Unfallursachen herauszuarbeiten und gezielte Präventionsarbeit zu leisten.

Diese Datenbank wird vom Forschungszentrum für Kinderunfälle, welches als externe Forschungsinstitution an die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz angegliedert ist, betreut.

 

Ziel dieser vorliegenden Studie „Unfallarten mit Versorgung in Spezialzentren abseits der Unfallchirurgie. Fokusreport STISS 2019. Blind-Spot-Analyse – Teil 2“ ist die qualitative Analyse

  • der behandelten Unfälle auf Spezialkliniken und -abteilungen
  • auf Basis der in MEDOCS aufgezeichneten Information zum Unfallgeschehen.

 

Im Beobachtungszeitraum 2015 bis 2017 werden im StISS für das Klinikum Graz insgesamt 109.397 medizinische Behandlungen nach einem Unfall ausgewiesen. 5 % davon finden in den der Studie zugrundeliegenden Spezialkliniken statt.

 

Die Universitäts – Augenklinik behandelt im Sinne einer Spezialklinik bei den Traumavorfällen rund 1,4 % aller Patient*innen, die im Universitätsklinikum Graz nach einem Unfall behandelt werden. 72 % der verletzten Personen sind männlich und rund 3,4 % werden stationär aufgenommen.

Die Universitätsklinik für Zahnmedizin behandelt im Sinne einer Spezialklinik bei den Traumavorfällen rund 3,4 % aller Patient*innen, die im Universitätsklinikum Graz nach einem Unfall behandelt werden. 56 % der verletzten Personen sind männlich und rund 12 % werden stationär aufgenommen.

Im Detail konnten 1.015 Fälle oder knapp 20 % auf Basis der StISS-Angaben analysiert werden.

 

An der Universitäts – Augenklinik konnten 514 Fälle aller Altersgruppen in eine qualitative Traumanalyse miteinbezogen werden. Die Altersrange bei unserer Patientengruppe reicht von 0 bis 18 Jahre, der Median liegt bei 12 Jahren mit einem durchschnittlichen Alter von 11,48.

Jede zweite Verletzung ist eine Contusio bulbi, jede zehnte Verletzung eine Orbitafraktur. Im Altersschnitt liegen die Contusio bulbi und die Orbitafraktur bei 10,8 Jahren, die Hornhautverletzung durch einen Fremdkörper hingegen bei 12,4 Jahren.

Ein Fremdkörper, der ins Auge gerät, verursacht den größten Teil der Behandlungen. Ein Objekt, welches das Auge getroffen hat bzw. an das angestoßen wurde, nimmt die zweitgrößte Unfallkategorie ein. Der Raufhandel schließlich kommt mit 9 % auch sehr häufig vor.

 

An der Universitätsklinik für Zahnmedizin konnten 501 Fälle aus allen Altersgruppen in eine qualitative Traumanalyse miteinbezogen werden.

In den Monaten Juli bis Oktober finden knapp zwei Drittel der Unfälle statt. 37 % der behandelten Personen sind weiblich. Die Altersrange liegt bei 0 bis 79 Jahren, der Median liegt bei 12 Jahren mit einem durchschnittlichen Alter von 17,96. Die Altersgruppe der
0 bis 14-Jährigen nimmt den größten Anteil ein.

Am häufigsten sind ein bzw. zwei Zähne beim Unfall in Mitleidenschaft gezogen worden. Diese beiden Verletzungsgruppen decken knapp drei Viertel der verletzten Personen ab.

Im Durchschnitt sind bei einem Fahrradsturz die Zähne mit 3,67 verletzten Zähnen am häufigsten betroffen. Grundsätzlich weisen Unfallarten mit zusätzlicher Unfallenergie – sei es durch Sturzhöhe, sei es durch Beschleunigungsenergie – mehr verletzte Zähne auf.

In allen Altersgruppen zählt der Sturz in der Ebene zu den häufigsten Unfallursachen. Eine differenzierte Analyse der hauptsächlichen Impactklasse je Altersgruppe zeigt, dass innerhalb der Altersgruppe der Senioren der „Sturz in der Ebene“ das signifikant größte Verletzungsrisiko darstellt. Bei den Kindern ragt die „Beschleunigungsenergie durch Schwerkraft“ signifikant heraus, während bei den 15 bis 24-Jährigen der „Kontakt mit Menschen“ und „Die Beschleunigungsenergie durch Motoren“ sich signifikant abheben.

 

Summa summarum betrachtet können Unfälle, welche die Basis dieser Analyse bilden, zu einem Großteil verhindert werden. Das Potential einer noch weiter verbesserten Sicherheitstechnik ist freilich geringer einzuschätzen als das des richtigen Verhaltens und der richtigen Umgangsweise mit dem potentiellen Gefahrenobjekt.