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Traurige Serie kindlicher Fensterstürze: Kinder können einfach aus dem Fenster kippen

Kinder kippen aufgrund ihres hohen Körperschwerpunktes sehr leicht vornüber! Bild: reer

Pressemitteilung – 23. Juni 2021

In den letzten Tagen und Wochen stürzten mehrere Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren aus dem Fenster und zogen sich dabei zum Teil lebensbedrohliche Verletzungen zu. Der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE warnt eindringlich davor, Kinder bis Schulalter beim Lüften aus den Augen zu lassen und rät zur Montage von versperrbaren Fenstergriffen. Eltern sollten ihre Kinder außerdem unbedingt darauf hinweisen, wie schnell gerade Kinder aus dem Fenster „kippen“ können, wenn sie sich hinauslehnen.

Kinder können durch ihren höheren Körperschwerpunkt leicht aus dem Fenster kippen

Jährlich versterben 2 bis 3 Kinder in Österreich durch Stürze aus geöffneten bzw. nicht gesicherten Fenstern oder von Balkonen.

Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Grazer Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie warnt: „Fenster üben auf Kinder eine große Faszination aus. Sind sie geöffnet, ist der Drang die Welt da draußen zu entdecken, groß. Bei einem Kleinkind ist der Kopf im Verhältnis zum restlichen Körper doppelt so groß und schwer wie bei einem Erwachsenen. Es besteht also die große Gefahr, dass das Kind über alles, das niedriger als auf Nabelhöhe ist, leicht vornüberkippen kann. Dieses Wissen geben wir in unseren Workshops an Kindergarten- und Schulkinder weiter und bitten auch die Eltern, mit den Kindern zu besprechen, wie schnell es beim Hinauslehnen aus dem Fenster gehen kann, dass aus einer vermeintlich ungefährlichen Situation bitterer Ernst wird“.

Unter 5-jährige Buben am häufigsten betroffen

Dr. Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE weiß: „Das „typische Kind“, das aus dem Fenster stürzt, ist laut langjähriger Betrachtung unter fünf Jahre alt (75 %) und männlich (65 %). Allein im 2. und 3. Lebensjahr geschieht jeder zweite Fenstersturz. Rund jeder sechste Fenstersturz endet tödlich. Entscheidend sind natürlich hauptsächlich die Fallhöhe und die Beschaffenheit der Aufprallstelle. Der Fenstersturz kommt vor allem bei Mehrparteienhäusern vor. Ab dem 3. Stock steigt die Todesrate signifikant an, ab dem 4. Stock ziehen sich 80 % der Kinder tödliche Verletzungen zu“. Fensterstürze und Stürze aus der Höhe passieren das ganze Jahr hindurch. Dennoch lässt sich ein Höhepunkt in den Monaten Mai bis September ausfindig machen.

Mangelndes Gefahrenbewusstsein bei den Jüngsten, Risikolust bei den Älteren

Im Gegensatz zum Fenstersturz, der vorwiegend – jedoch keinesfalls ausschließlich! – bei Kleinkindern passiert, betreffen andere Stürze aus der Höhe vor allem ältere Kinder und Jugendliche. Diese verunfallen beim Erklettern von Balkongeländern und Fabriksdächern. Eine detaillierte Betrachtung der Altersgruppe und der Unfallart zeigt also deutlich die Hauptunfallursachen auf: das mangelnde Gefahrenbewusstsein bei den Jüngsten und die Risikolust bei den Älteren. Es mag „cool“ aussehen auf dem Fensterbrett zu sitzen, vielleicht sogar einen Fuß nach draußen baumeln zu lassen, aber es reicht in dieser Position bereits eine geringfügige Störung des Gleichgewichts und der Absturz ist nicht mehr aufzuhalten.

Auch Architektur ist gefordert

Im Geschosswohnbau sind Architektur und Fensterdesign gefragt, um Fensterstürzen vorzubeugen. Früher gab es die geteilten Fenster: Man konnte die Oberlichte zum Durchlüften öffnen, ohne eine Gefahr für Kleinkinder auszubilden. „Dieses Design ist für die Sommermonate ideal“, führt Spitzer aus, “Denn so kann die heiße Raumluft, welche sich ja im Deckenbereich sammelt, gefahrlos für Kleinkinder durch Querlüften entweichen, und kühle Morgen- oder Nachtluft kann ins Rauminnere strömen“.

Weitere SicherheitsTIPPS für Eltern

  • Montieren Sie versperrbare Fenstergriffe! Diese können einfach nachgerüstet werden und sind in Möbelhäusern, in Baumärkten sowie in diversen Online-Shops kostengünstig zu erwerben. Ziehen Sie den Schlüssel ab und bewahren Sie ihn für Kinder unerreichbar auf!
  • Eine Alternative zu versperrbaren Fenstergriffen sind Fensterriegel aus Plastik oder Metall, die am Fensterrahmen angebracht werden.
  • Stellen Sie sicher, dass sich Ihr Kind beim Lüften nicht alleine im Raum aufhält – nehmen Sie es in einen anderen Raum mit und behalten sie es immer im Auge!
  • Insektengitter und Katzengitter/-netze bieten keinen Schutz vor Fensterstürzen! Erklären Sie Ihren Kindern, dass sie sich niemals gegen diese lehnen dürfen!
  • Sichern Sie auch Balkontüren mit versperrbaren Griffen oder Riegeln und lassen Sie Kinder nicht alleine am Balkon spielen!
  • Übertragen Sie Kindern niemals die (alleinige) Aufsicht für jüngere Geschwister!
  • Achten Sie darauf, dass keine „Aufstiegshilfen“ wie Sessel, Couch, Spielkisten etc. direkt an Fenstern stehen! Da sich dies nicht immer vermeiden lässt, ist die Fenstersicherung die wichtigste Vorsichtsmaßnahme, die Leben retten und schwere Verletzungen vermeiden kann.

Den Fokusreport "Kindliche Fensterstürze und Stürze von Gebäuden"

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