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AUSGEBUCHT „Spaß am Trampolin – aber sicher!“: Trampolin-Projekt für Grazer Volksschulen

Spitzer, Hohensinner, Fanninger, Hiller und Till bei der Projektvorstellung im FLIP LAB Graz Center West.

Pressemitteilung – 21. Oktober 2021


Mittlerweile steht in einem guten Teil der Familiengärten ein Trampolin. Corona führte zu einem regelrechten Trampolin-Boom – es wurden sechsmal mehr Trampoline verkauft als ohnehin schon. Trampolinspringen ist an sich eine tolle Sache: Es macht Riesenspaß, fördert die Bewegungsfreude, schult die Koordinationsfähigkeiten und macht fit. Die Kehrseite der Medaille: Am Trampolin passieren in Österreich jährlich bis zu 10.000 Kinder- und Jugendunfälle – genauso viele wie auf allen anderen Spielplatzgeräten zusammen. Hintergrundwissen, ein paar Sicherheitstipps und Grundfähigkeiten helfen, um den „Sprung ins Spital“ zu vermeiden. Im neuen Volksschulprojekt „Spaß am Trampolin – aber sicher!“ wird den Kindern mit Unterstützung der Stadt Graz das richtige Trampolinspringen in Theorie und Praxis von GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und FLIP LAB methodenreich vermittelt.

10 Grazer Volksschulen können sich ab sofort für das Trampolin-Projekt anmelden

Ab sofort können die Grazer Volksschulen ihre 3. und 4. Klassen (bis zu 90 Schüler:innen pro Schule) zum Trampolin-Projekt anmelden. Die zehn verfügbaren Plätze werden nach dem First come-First serve-Prinzip vergeben. Die Projektleiterinnen Elisabeth Fanninger (Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE) und Kathrin Hiller (FLIP LAB Center West) erklären den Projektablauf: „Das Projekt ist dreistufig aufgebaut: Zuerst erhalten die involvierten Pädagog:innen in einem Fortbildungsnachmittag im FLIP LAB Center West wesentliche Hintergrundinfos und Tipps zum sicheren Trampolinspringen in Theorie und Praxis. Im zweiten Schritt kommen GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und FLIP LAB mit speziell aufbereiteten Unterrichtsunterlagen und vorbereitenden Turnübungen in die Schulen. Die Schüler:innen erarbeiten so auf spielerische, anschauliche Weise die wichtigsten Trampolinregeln und bereiten sich auf das Highlight des Projekts, die Sprungeinheit im FLIP LAB, vor. Dort üben die Kinder zum Abschluss des Projekts mit den FLIP LAB Instruktor:innen das sichere Trampolinspringen in der Praxis“.

Ermöglicht wird dieses, für die Schulen kostenfreie, Projekt durch die Unterstützung der Stadt Graz. Sport-, Jugend- und Familienstadtrat Kurt Hohensinner: „Im Sportjahr 2021 wollen wir möglichst viele Menschen für Bewegung und einen gesunden Lebensstil begeistern, vor allem unsere Kinder. Trampolinspringen ist bei den Kleinen unglaublich beliebt und zieht diese schnell in seinen Bann. Es macht einfach riesigen Spaß und genau das wiederum entfacht Begeisterung für Bewegung. Aber das Trampolinspringen hat auch negative Seiten. Mit keinem anderen Spielplatzgerät gibt es pro Jahr mehr Unfälle mit Kindern. Vor diesem Hintergrund starten wir gemeinsam mit dem Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und dem FLIP LAB diese Initiative für richtiges und sicheres Trampolinspringen. Damit unsere Kinder sicher und unfallfrei ihre sportlichen Talente entfalten können.“

Nähere Infos zum Projekt und Anmeldung ab sofort bei Elisabeth Fanninger vom Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE (0316/385 13764 bzw. elisabeth.fanninger@uniklinikum.kages.at).

Daten und Fakten rund um Trampolin-Unfälle

Jährlich passieren am Gartentrampolin österreichweit bis zu 10.000 Unfälle, bis zu 1.200 davon in der Steiermark. An der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz werden pro Jahr rund 500 Kinder und Jugendliche nach Unfällen am Gartentrampolin behandelt, 100 bis 150 weitere nach Unfällen in Indoor-Trampolinparks.

Hochsaison für Gartentrampolin-Unfälle ist rund um Ostern, während bei den Trampolinpark-Unfällen ganz klar im Herbst die meisten Unfälle verzeichnet werden.

Betrachtet man das Alter der verunfallten Kinder und Jugendliche, so muss man auch zwischen Gartentrampolin und Trampolinpark unterscheiden: „Am Gartentrampolin sind die verunfallten Kinder durchschnittlich 8,2 Jahre alt, im Trampolinpark hingegen schon 10,7 Jahre alt. Am Gartentrampolin sind Mädchen und Buben zu gleichen Teilen vom Trampolinunfall betroffen, im Trampolinpark zeigt sich in puncto Unfälle ein deutlicher Überhang bei den Burschen (66 %)“, weiß Dr Peter Spitzer, Leiter des Forschungszentrums für Kinderunfälle beim Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE.

Am Gartentrampolin passieren zwei Drittel der Unfälle bereits in den ersten 15 Sprungminuten, im Trampolinpark tendenziell deutlich später.

Unfallmuster unterscheiden sich je nach Altersgruppe

In gut zwei Drittel der Unfälle springen mehrere Kinder gleichzeitig am Gartentrampolin. „Das Springen von mehreren Personen am Trampolin ist wegen der Kollisionsgefahr, vor allem aber aufgrund des Federeffektes die Hauptunfallgefahr. Die Knochen, Gelenke und Bänder von Kindern halten diesen massiven und oft stark unterschätzten Belastungen natürlich nicht immer stand“, betont Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz. Die Gartentrampolin-Unfallmuster unterscheiden sich außerdem nach dem Alter. So verunglücken jüngere Kinder (vor Schulalter) oftmals, wenn die Eltern am Trampolin mitspringen (Federeffekt, Kollision) oder beim Hinausklettern bzw. durch den Absturz aus dem Trampolin.

Im Volksschulalter passiert der Unfall meist, wenn mehrere Kinder gleichzeitig am Trampolin springen oder durch Gegenstände (meist Bälle) am Trampolin.

Bei den Jugendlichen stehen (missglückte) Salto-Versuche und „Körperteil gegen Körperteil“-Unfälle (oftmals Knie ins Gesicht) ganz oben auf der Liste der Unfallursachen.

In Trampolinparks passieren die Unfälle oft gleich beim ersten Besuch, wenn sich die Kinder nicht erst langsam ans Gerät herantasten, sondern gleich wild drauflosspringen. Auch, wenn Kinder – gerade mit hohem Gewichtsunterschied – gemeinsam springen, kommt es häufig zu Unfällen. Die Gruppendynamik ist, gerade in der Pubertät, auch nicht zu unterschätzen. Durch das Springen von einem Trampolin zum anderen kommt es zudem zu Verletzungen durch ungewollte Landungen auf dem Rahmen. Missglückte Salto-Versuche findet man im Trampolinpark verstärkt unter den Unfallursachen. Die im Vergleich zum Gartentrampolin meist deutlich längere Sprungdauer spielt ebenso eine Rolle.

Rund ein Drittel schwere Verletzungen – vor allem Knochenbrüche

Etwa ein Drittel der Trampolinverletzungen wird medizinisch als „schwer“ eingestuft. Till: „Meist handelt es sich dabei um Knochenbrüche. Unter den leichteren Verletzungen finden sich vor allem Verstauchungen und Prellungen. Am Gartentrampolin wie auch im Indoor-Trampolinpark sind die Beine und Füße am häufigsten von den Verletzungen betroffen, gefolgt von den Armen und Händen.“

Positive Aspekte des Trampolinspringens

Beim Trampolinspringen werden sämtliche motorische Grundlagen angesprochen: Die Ausdauer wird gefördert, Kraft und Körperspannung verbessern sich. Auch auf Koordinationsfähigkeiten, Beweglichkeit und Schnelligkeit wirkt sich Trampolinspringen sehr positiv aus. „Die Mikroimpulse beim Springen fördern den Aufbau der Knochendichte. Daneben stärkt das Trampolinspringen Bandscheiben, Bänder und Sehnen“, betont Till.

 

Top 10 Trampolinregeln

aus dem Buch „Sicher Trampolinspringen“ von Dieter Hayn und Pia Zottmann

  1. Immer nur eine/r am Trampolin
  2. Kein Springen von Kindern unter 3 Jahren
  3. Feder-Polsterung und Sicherheitsnetz anbringen
  4. Trampolin regelmäßig auf Schäden prüfen
  5. Trampolin auf ebener und harter Fläche aufstellen
  6. Keine Gefahrenquellen rund ums Trampolin
  7. Nicht mit Schuhen springen
  8. Saltos nicht ohne professionelle Hilfe springen
  9. Kinder nur unter Aufsicht springen lassen
  10. Mit Hausverstand und Respekt Trampolinspringen

Tipps, Rätsel und Geschichten

rund ums Sichere Trampolinspringen gibt's