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Sicherer Spaß im Nass: So lassen sich Badeunfälle bei Kindern verhindern

Der Sprung ins kühle Nass kann leider auch gewaltig danebengehen.

Pressemitteilung – 22. Juni 2021


Ertrinken ist die häufigste tödliche Unfallursache bei Kindern unter 5 Jahren, die zweithäufigste bei 5-14-Jährigen. Rund um Pools, Wasserrutschen und Sprungtürme passieren zudem viele andere Unfälle, die mit teils schweren Verletzungen einhergehen. Zum Start in die Badesaison gibt der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE die wichtigsten Sicherheitstipps, um schwere und „unnötige“ Unfälle rund um den Spaß im kühlen Nass zu vermeiden.

 

Bis zu 200 Kinder jährlich mit Badeverletzungen an der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz behandelt

Auch abseits der Ertrinkungsgefahr gibt es beim Baden einiges zu beachten. Das Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE hat die Badeunfälle, die in den letzten sechs Jahren an der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz behandelt wurden, analysiert: „Pro Jahr werden an unserer Klinik 150 bis 200 Kinder und Jugendliche nach Unfällen in öffentlichen Bädern und Seen (75 %) oder am eigenen Pool (rd. 25 %) versorgt. In gut der Hälfte der Fälle ziehen sich die jungen Patienten Prellungen, Zerrungen oder Verstauchungen zu – und hier ist die Wirbelsäule überproportional betroffen. Danach folgen (Platz-)Wunden (28 %), Knochenbrüche (16 %) und Gehirnerschütterungen (3 %)“, so Klinikvorstand und Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE Univ.-Prof. Dr. Holger Till.

Öffentliche Bäder: Unfälle durch nasse, rutschige Böden und auf Wasserrutschen

In den öffentlichen Bädern und Seen handelt es sich bei den Unfällen meist um Stürze, Aus- und Abrutschen durch die Nässe und Glätte von Fliesen, Leitern & Co. sowie Zusammenstöße mit anderen Personen im Wasser. Auch der Auf- bzw. Anprall am Beckenrand oder -boden beim Schwimmen, Tauchen, Köpfeln und Salto schlagen kommt häufig vor, genauso wie Unfälle auf und rund um die Wasserrutsche.

Rund die Hälfte der Unfälle auf der Wasserrutsche passiert im Eintauchbereich, durch Kollisionen mit anderen Rutschenden im Auslaufbereich und Anhauen. Vor allem Gesichts- und explizit Zahnverletzungen stehen hier im Vordergrund. Nach dem Eintauchbereich folgt die Leiter auf der Liste der unfallträchtigsten Stellen einer Wasserrutsche: 20 % der Wasserrutschen-Unfälle passieren durch Ausrutschen auf nassen, rutschigen Leitern. Auch direkt während des Rutschens kommt es immer wieder zu Kollisionen, oftmals wenn mehrere Freunde oder Familienmitglieder direkt hintereinander rutschen.

„Beim Rutschen empfehlen wir: Nicht in Bauchlage oder mit dem Kopf voraus rutschen, genügend Abstand einhalten, den Auslaufbereich schnell verlassen und im Aufgangsbereich der Rutsche nicht laufen“, so Dr. Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle.

Private Pools: „Bruchlandungen“ durch geringe Wassertiefe und rutschige Leitern

Auch an privaten Pools passieren die meisten Verletzungen durch Ausrutschen und Anhauen an Leitern, Stufen sowie am Boden des Pools. „Hier wird die Wassertiefe beim Hineinspringen, gerade beim Köpfeln oftmals unterschätzt. Saltoversuche bergen zudem die große Gefahr, am Poolrand anzuprallen“, so Spitzer. Danach folgen das Herunterstürzen von der Poolleiter sowie das Herausstürzen von „Hochpools“.

Auch Schnittverletzungen an Poolrändern kommen vor. Tragische Einzelfälle wurden in den letzten Jahren rund um Stürze von Kleinkindern in den leeren Pool behandelt.

Selbst im Planschbecken sind Stürze nicht zu unterschätzen: Oftmals steht es mangels Alternativen auf hartem Untergrund wie Fliesen oder Beton und die Folie kann durch Sonnenmilch noch rutschiger werden. Zudem gilt zu beachten: Kleinkinder können bereits in weniger als 10 cm Wassertiefe ertrinken.

Ertrinken: Bedingungslose Aufsicht und Kindernotfallkurs entscheidend

In Österreich ertrinken jährlich zwei bis drei Kinder. Im Fokusreport „Ertrinken von Kindern in Österreich“ hat der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE 200 Ertrinkungsunfälle analysiert. Jeder fünfte Ertrinkungsunfall endet tödlich. Auf ein tödlich verunglücktes Kind kommt ein weiteres, das sein weiteres Leben mit einer schweren geistigen Behinderung verbringen muss.

Fast die Hälfte der Ertrinkungsunfälle passiert in öffentlichen Schwimmbädern oder Seen, rund ein Viertel im eigenen Pool. Danach folgen Flüsse und Teiche/Biotope.

Betrachtet man jedoch die tödlich ausgehenden Ertrinkungsunfälle, so finden sich private Pools und Flüsse an erster Stelle. Auf sie entfallen je 30 % der tödlichen Unfälle. 14 % passieren in öffentlichen Schwimmbädern, 9 % in Seen. In öffentlichen Schwimmbädern ist die Überlebensrate nach einem Ertrinkungsunfall relativ hoch, weil das zu ertrinken drohende Kind oftmals rasch bemerkt bzw. aufgefunden wird. Außerdem funktioniert hier die Rettungskette zumeist schnell und gut. In privaten Pools wird das Kind oft zu spät bemerkt, obwohl die Aufsichtsperson sehr oft nur maximal 10 m entfernt ist. Auch sind die Erste-Hilfe-Kenntnisse der „Aufsichtsperson“ eher mangelhaft. Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie rät daher dringend, Kinder bis etwa 10 Jahre und bis sie sehr gut schwimmen können, nie am Wasser aus den Augen zu lassen und einen Kindernotfallkurs zu besuchen, um im Ernstfall schnell und richtig reagieren zu können.

Weitere Sicherheitstipps

  • Pools/Biotope/Teiche mit einem 1,5 m hohen Zaun und selbstschließender Tür sichern oder mit einer versperrbaren Überdachung ausstatten!
  • Überlegen Sie gut: Muss ein privater Pool wirklich jetzt schon sein oder können Sie damit warten, bis die Kinder älter sind und gut schwimmen können?
  • Für private Pools gibt es elektronische Sicherheitssysteme, die Alarm schlagen, wenn ein Kind unbeobachtet ins Wasser geht oder zu ertrinken droht.
  • Bringen Sie Kleinkindern bei, nur mit Erwachsenen ans und ins Wasser zu gehen und größeren Kindern, immer nur zu zweit zu schwimmen!
  • Verlassen Sie sich nicht auf Schwimmhilfen: Sie bieten keinen zuverlässigen Schutz!
  • Wenn kleine Kinder verschwunden sind, immer zuerst dort suchen, wo Wasser ist oder sein könnte!
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind die wichtigsten Baderegeln – erklären Sie ihm auch den Sinn dahinter und welche Gefahren vermieden werden.
  • Zumindest für kleinere Kinder empfehlen sich im Planschbecken und im Schwimmbad rutschfeste Badeschuhe.

Online-Vortrag „Spaß im Nass – aber sicher!“

29. Juni, 19 Uhr