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Karottenstücke können für Kleinkinder gefährlich werden

Wichtiger Tipp: Beim Essen sitzenbleiben. Bild: AdobeStock

Pressemitteilung – 18. Jänner 2021

An der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz müssen jährlich etwa 50 Kinder behandelt werden, die Fremdkörper eingeatmet oder verschluckt haben. Zuletzt handelte es sich bei diesen Kleinteilen mehrmals um Karottenstückchen. Der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE gibt die wichtigsten Sicherheitstipps, um das Risiko solcher Unfälle stark zu senken.

Da das Verschlucken oder Einatmen von Fremdkörpern im schlimmsten Fall tödlich ausgehen kann, sind die Bedenken in der Bevölkerung weit verbreitet. „Kommt es bei einem bis dato völlig gesundem Kind im Rahmen des Hantierens mit Spielzeug oder Nahrungsbestandteilen zu plötzlichem Hüsteln, Atemnot oder Würgereiz, so besteht die Möglichkeit, dass das Kind einen Fremdkörper eingeatmet oder verschluckt hat“, betont Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz. „Bei drei Viertel der kleinen PatientInnen reicht die ambulante Behandlung aus, ein Viertel muss operiert werden, um den Fremdkörper zu bergen, der meist in der Luftröhre, der Speiseröhre oder dem Magen steckt, “, so Till.

 

Tischtennisball als Richtwert für gefährliche Kleinteile

Faustregel: Bis zu 3 Jahren bergen Gegenstände bis zur Größe eines Tischtennisballs (ca. 3,5 cm DM) die Gefahr, dass sie im Hals steckenbleiben und das Atmen unmöglich machen. Till warnt: „Kleinkinder nehmen alles Mögliche in den Mund, um Form, Konsistenz und Geschmack zu erspüren. Dabei werden unweigerlich kleine Dinge verschluckt und in seltenen Fällen auch eingeatmet. Die größte Gefahr geht von kugelförmigen Gegenständen aus. Diese können den Schlund regelrecht luftdicht verschließen“.

 

Vor allem Kleinkinder gefährdet

Verschluckungs- und Einatmungsunfälle passieren grundsätzlich in allen Altersstufen, in sechs von zehn Fällen jedoch bei den 0-3-Jährigen. 20 % entfallen auf 4-6-Jährige, die restlichen 20 % auf Kinder ab dem Schulalter. Der Anteil zwischen Mädchen und Buben ist dabei ausgeglichen. Deutlich häufiger, in neun von zehn Fällen, werden Fremdkörper verschluckt als eingeatmet. Im Hals bleiben Fremdkörper gar nur in 2 % der Fälle stecken. Die am häufigsten verschluckten Objekte sind Münzen (27 % aller Fremdkörper), gefolgt von Spielzeugteilen (12 %). In der Lunge landen mit 90 % hingegen großteils Lebensmittelbestandteile – davon 40 % Nüsse gefolgt von Maroni, Karotten- oder Apfelstücken. Im Hals stecken bleiben v.a. Münzen, daneben auch Nahrungsmittelteile wie Fischgräten und Büromittel wie Büroklammern oder Pinnadeln.

 

SicherheitsTIPPS des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE

  • Werden folgende Dinge verschluckt, sollte das Krankenhaus aufgesucht werden: spitze, metallische Gegenstände, Münzen, mehrere Magnete, Batterien, gefährliche Chemikalien und Medikamente, Giftpflanzen/-pilze.
  • Kinder sollten beim Essen sitzenbleiben und nicht herumlaufen/herumturnen.
  • Nüsse und Nussschokolade können für Kleinkinder gefährlich sein.
  • Bei Spielzeug darauf achten, dass es für Kinder unter 3 Jahren geeignet ist und regelmäßig überprüfen, ob sich Kleinteile lösen.
  • Kleinkinder nicht mit Münzen spielen lassen.
  • Kleinteile (unter 3,5 cm) wegräumen.
  • Schubladen/Schränke, in denen besonders gefährliche Dinge wie Batterien, Geschirrspültabs etc. verwahrt werden, sichern.
  • Beim Autofahren nicht essen, da Kleinkinder z.B. bei starkem Bremsen leicht Nahrungsmittel verschlucken/aspirieren könnten.
  • Achten Sie grundsätzlich darauf, dass Kleinkinder nichts Kugelförmiges in den Mund stecken. Kugelförmige Nahrungsmittel, wie z.B. Weintrauben, sollten Sie halbieren.
  • An Anhängern von Halskettchen wird gerne gelutscht. Geht die Öse auf, kann der Anhänger leicht verschluckt werden oder, je nach Form, sogar im Hals stecken bleiben.
  • Lassen Sie Knopfbatterien und andere „chemische“ Kleinteile (Reinigungstabs) nicht frei herumliegen, da diese schwere Verätzungen des Mundes und der Speiseröhre verursachen können.

Erste Hilfe im Notfall
Wenn das Kind den Fremdkörper nicht aushusten kann oder gar blau anläuft: mit dem Oberkörper nach unten über das Knie legen und fest zwischen die Schulterblätter klopfen; Notruf absetzen.
Wenn das Kind nicht mehr atmet: Sofort mit der Reanimation beginnen: anfangs 5x beatmen, dann im Wechsel 30x Herzdruckmassage und 2x beatmen.