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Bub (2) durch Hundebiss schwer verletzt: Hunde von Nachbarn und Verwandten sind für Kinder am gefährlichsten

Kind & Hund können ein gutes Team sein - wenn man einige Regeln beachtet! Bild: Adobe Stock

Pressemitteilung – 8. Mai

 

Ein zweijähriger Bub ist gestern in der Südoststeiermark vom Rottweiler seines Nachbarn in den rechten Unterarm gebissen und dabei schwer verletzt worden. Ob er seine Hand je wieder uneingeschränkt verwenden wird können, ist unklar. Der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE warnt: In zwei Drittel der Fälle werden Kinder vom Hund eines Nachbarn oder Verwandten gebissen. Hundehaltende Omas, Opas, Onkeln, Tanten, Nachbarn und Freunde sollten sich dieser Gefahr stärker bewusst werden und Regeln für den Umgang mit ihrem Vierbeiner aufstellen!

 

Der Unfall passierte laut steiermark.orf.at in einer Hauseinfahrt, wo der Bub spielte: Ein 43-Jähriger hielt sich nach einem Spaziergang mit seinen drei Hunden bei einem 34-jährigen Nachbarn auf – dessen Sohn näherte sich den Hunden an, woraufhin plötzlich einer – ein Rottweiler – zubiss.

 

„Der tut nix!“ – oder doch?!: 800 Kinder jährlich von Hunden gebissen

„Der tut nix!“, sagen viele HundehalterInnen über ihren geliebten Vierbeiner – und doch müssen rd. 800 Kinder jährlich nach einem Hundebiss im Spital behandelt werden. In einer Studie des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und des Landes Steiermark wurden sämtliche Gefahrenpotenziale und Unfallmuster untersucht. „An der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz werden pro Jahr rd. 60 Kinder nach einem Hundebiss behandelt. Für Österreich muss man mit 800 Beißattacken von Hunden gegen Kinder rechnen, für die Steiermark mit 120“, so Univ.-Prof. Dr. Johannes Schalamon, Vizepräsident des Vereins Grosse schützen Kleine und stellvertretender Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie am LKH-Univ. Klinikum Graz.

 

In 2 von 3 Fällen beißt der Hund von Großeltern oder Tante und Onkel

In der Studie „Verletzungen durch Hundebisse bei Kindern bis zum 14. Lebensjahr“ untersuchten Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Grazer Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie und Dr. Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE die Unfallhergänge von 296 Kindern, die zwischen 2014 und 2018 an der Grazer Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie behandelt wurden. Etwa Dreiviertel dieser Unfälle waren Hundebisse, der Rest Verletzungen durch z.B. Umgeworfen werden vom Hund oder Stolpern über die Leine.

Besonders auffällig: In nur 23 % der Fälle biss der eigene Hund. Fast jeder zweite Biss wurde durch einen „bekannten“ Hund, also zumeist durch den Hund von Großeltern, Onkeln und Tanten oder Nachbarn, verursacht. Bei einem Viertel der Vorfälle war ein dem Kind gänzlich fremder Hund beteiligt. Die Kinder, die vom Hund der Großeltern oder vom Hund von Tante/Onkel gebissen wurden, waren durchschnittlich die Jüngsten. „Das bedeutet, dass im erweiterten familiären Umfeld des Kindes großer Aufholbedarf an Wissen über die Thematik Hund/Kind gegeben ist. Dieses Problem spiegelt sich auch im Anteil der schweren Verletzungen wider: dieser liegt bei den Hundehaltern Großeltern und Onkel/Tante weit über dem Durchschnitt“, gibt Spitzer zu bedenken. Auch das „Social Distancing“ durch Corona bewirkt natürlich, dass sich Kind und Hund oft länger nicht sehen, weshalb eine allzu stürmische Annäherung umso dringlicher vermieden werden sollte.

 

Jüngeren Kindern beißen Hunde meist in den Kopf

Aufgrund der Körpergröße des Kindes im Vergleich zum Hund war bei jedem zweiten Vorfall der Kopf betroffen, in 27 % der Fälle die Arme/Hände, in 20 % der Fälle die Beine/Füße und in 8 % der Fälle der Rumpf/das Becken. „Je jünger das Kind, desto höher die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Bissverletzung und eine Verletzung des Kopf-/Halsbereichs. Jedes zehnte Kind wurde infolge des Hundebisses stationär aufgenommen. Die Wunden mussten wir hier zumeist operativ versorgen“, so Schalamon. Ein Drittel erlitt eine tiefere Bisswunde. Sechs von zehn Kindern kamen mit einer leichten Verletzung davon, also mit oberflächlichen Kratzern oder nicht sehr tiefen Bisswunden. Im Durchschnitt war das verletzte Kind sechseinhalb Jahre alt. Genauso viele Mädchen wie Buben waren in Unfälle mit dem Hund verwickelt. Zumeist wurden die Kinder beim Spielen mit dem Hund gebissen, gefolgt vom Vorbeilaufen/-krabbeln und Streicheln.

15 % der in der Studie befragten Eltern gaben an, dass ihr Kind gesundheitliche Folgen des Bisses (meist Narben) hatte. Etwa jedes zweite Kind leidet bzw. litt nach dem Unfall an Angst vor Hunden.

 

Beißrisiko höher wenn Hund vor Kind in der Familie war

In 82 % der Fälle war der Hund bereits vor der Geburt des gebissenen Kindes in der Familie. Das Kind war zu diesem Zeitpunkt also das jüngste „Rudelmitglied“. Daraus kann man ableiten, dass man mit der Anschaffung eines Hundes idealerweise warten soll bis das jüngste Kind das Schulalter erreicht hat“, so Spitzer. Betrachtet man die Hunderassen, so zeigt sich, dass der Mischling, der Schäferhund und der Golden Retriever an vorderster Stelle der beißenden Hunde zu finden sind. Grundsätzlich ist man natürlich bei keiner Hunderasse vor einem Biss gefeit.

 

Kinder können Warnsignale des Hundes erst mit acht bis zehn Jahren erkennen

Erst ab dem Schulalter sind Kinder in der Lage gewisse Schutzmaßnahmen vor Hundebissen umzusetzen. Die richtige Einschätzung des Hundes und seiner Körpersprache im Sinne eines Warnsignals ist erst ab frühestens acht Jahren möglich. Bei Kleinkindern und Kindergartenkindern liegt es also komplett an den Erwachsenen, das Kind vor Verletzungen durch Hunde zu schützen. Gerade jüngere Kinder sehen den Hund zudem oftmals als „Kuscheltier“. Diese falsche Einschätzung wird durch Filme mit vermenschlichten, sprechenden Hunden etc. noch verstärkt.

 

Mit Kinder-Tier-Workshops und Informationsbroschüren richtigen Umgang vermitteln

Tödliche Unfälle mit Hunden sind sehr selten: Seit 2006 starben in Österreich zwei Kinder nach einem Hundebiss. Im Vergleich mit einer Studie des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE aus dem Jahr 2006 zeigt sich, dass der Anteil der schweren Verletzungen infolge von Hundebissen stark zurückgegangen ist, und zwar von 22 % auf 8 %. „Uns ist es sehr wichtig, Eltern und Kindern den richtigen Umgang mit dem Hund zu zeigen. In den letzten zehn Jahren haben wir rd. 100 Kinder-Tier-Workshops, u.a. mit dem Kleintierzentrum Graz-Süd, dem Grünen Kreuz und Hundeschulen in unseren KinderSicheren Bezirken, organisiert und über 20.000 Infobroschüren verteilt. Denn Bewusstseinsbildung ist das Um und Auf, um schwere Verletzungen durch Hundebisse zu verhindern“, betont Till.

 

Weitere Sicherheitstipps für Kind & Hund finden Sie im PDF auf dieser Seite links oben!