Allgemein, BÄRENBURG, GROSSE SCHÜTZEN KLEINE, KinderSicherer Bezirk, Presseaussendungen

Bei Hitze im Auto gefangen: So schützen Sie Ihr Kind

Das Auto kann im Sommer schnell zur lebenbedrohlichen Hitzefalle für Kinder werden! Fotocredit: liliput-lounge.de

Pressemitteilung – 7. August 2020


Es ist das pure Horrorszenario: Das Kleinkind im Auto eingesperrt, der Schlüssel im Auto und Temperaturen jenseits der 30 Grad-Marke. Der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE warnt: Die Temperaturen im Autoinneren steigen bei einer Außentemperatur von 35 Grad (im Schatten!) bereits nach 10 Minuten auf – für Kinder lebensbedrohliche – 42 Grad. Der Verein beruhigt jedoch: Die Sorge, dass sich ein Auto plötzlich von selbst versperrt, ist unbegründet.

 

Backofen Auto

Die Temperaturen im Autoinneren steigen bei einer Außentemperatur von 35 Grad (im Schatten!) bereits nach 10 Minuten auf 42 Grad. Steht das Auto in der Sonne, so darf man auch „angenehme“ Außentemperaturen von 25 Grad nicht unterschätzen.

Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE erklärt die verschärfte Situation bei Kindern: „Vor allem bei Kleinkindern kommt es rascher zur Überhitzung des Körpers als bei Erwachsenen, da sie über weniger Körperoberfläche, also weniger Haut verfügen, über die Körperwärme abgegeben und somit der Körper gekühlt wird. Durch das „Gefangensein“ im Autokindersitz verschlimmert sich die Thematik zusätzlich: Am Rücken und seitlich liegt der kompakte Kindersitz am Körper an und verhindert somit die Möglichkeit der Wärmeabgabe. Das Auto wird also zum Backofen und der Kindersitz zum zusätzlichen Brutkasten – eine fatale Situation“.

 

Abgestellte Autos versperren sich nicht von selbst

Jeden Sommer gibt es in den Medien Berichte über Kinder, die im Auto eingeschlossen waren, weil sich der Pkw plötzlich von selbst versperrt habe. Dr. Peter Spitzer, vom Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE dazu: „Nach Rückfrage bei namhaften Pkw-Herstellern wurde uns versichert, dass sich Autos grundsätzlich nicht von selbst verschließen. Vielfach führen „Multitasking“ und „Mindwandering“, also das Beschäftigen mit mehreren Aufgaben zur selben Zeit bzw. das gedankliche Abgelenktsein von der konkreten Situation, beim Menschen zu automatisierten Handlungen, die vom Bewusstsein gar nicht wahrgenommen werden. Dann kommt es leider auch zu solch tragischen Situationen.“

 

Versehentlich eingesperrt oder im Auto vergessen

Eine Analyse von nationalen und internationalen Berichten über solche Vorfälle zeigt zwei klassische Szenarien: Zum einen werden die Kinder tatsächlich im Auto vergessen, zum anderen wird versehentlich zugesperrt, während sich Kind und Schlüssel noch im Autoinneren befinden.
„Das Vergessen von Kindern im Auto kann am ehesten bei Situationen passieren, die nicht in alltäglicher Routine absolviert werden. Zum Beispiel dem Elternteil, der das Kind normalerweise nicht in den Kindergarten bringt, und nach dem Einsteigen ins Auto sich mit den Gedanken bereits halb in der Arbeit oder am Schreibtisch befindet“, beschreibt Spitzer eine typische Situation.
Dass man sein Auto bei offenen Türen bereits absperrt, obwohl sich das Kind noch im Autoinneren befindet, wird auf Multitasking-Ambitionen und auf Ablenkung durch z.B. gleichzeitiges Telefonieren beim Ausladen von Kinderwagen und Kind oder auch auf Hektik und Zeitdruck in der konkreten Situation zurückzuführen sein. „So kommt es vor, dass man das Auto bereits absperrt, bevor wirklich alle Personen aus dem Auto draußen sind, und den Schlüssel dann abermals im Auto (Sitz, Kofferraum) ablegt oder in die Handtasche steckt, diese dann aber nochmals – leider dann im Auto – abstellt, weil man freie Hände braucht“, so Spitzer über die andere Variante als klassische Verkettung unglücklicher Umstände.

 

Schlüssel nie im Auto liegen lassen

Einen Autoschlüssel sollte man beim Aussteigen aber auch nicht im Inneren stecken oder liegen lassen, wenn sich Kinder im Auto befinden. Das eine birgt die Gefahr, dass der Schlüssel im Zündschloss zum Umdrehen verleitet, das andere das Risiko, dass sich das Kind durch Drücken der „richtigen“ Taste selbst einsperrt.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass man sich durch Berühren der fahrzeugeigenen Zusperrtaste selbst einsperrt. Ist dann auch noch der Schlüssel im Auto, wird es für alle Beteiligten „aufregend“.

Falls es sich einmal wirklich um einen technischen Defekt handeln sollte und sich das Auto ohne Grund von selbst abschließt, so ist man mit dem Schlüssel in der Hand oder in der Hosen- bzw. Rocktasche immer auf der sicheren Seite und kann sein Auto wieder bequem und stressfrei aufsperren. Die Fahrt in eine Werkstätte sollte danach aber natürlich der nächste Weg sein.

 

Um zu verhindern, dass sich der Schlüssel im Auto befindet, wenn es abgesperrt ist, empfiehlt der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE:

  • Beim Aussteigen den Schlüssel immer mitnehmen
  • Kein Absperren, bevor nicht alle Insassen das Auto verlassen haben
  • Sich bewusst auf die Tätigkeit konzentrieren
  • Reserveschlüssel zu Hause – nicht im Auto – deponieren
  • Wohnungsschlüssel idealerweise nicht am selben Schlüsselbund wie Autoschlüssel haben, somit kann man ggf. diesen von zu Hause rasch holen, ohne dass man das Auto aufbrechen muss
  • Moderne Systeme wie „Keyless-Go“ oder „Safe Lock“ haben oft fahrzeugspezifische Eigenschaften oder Sonderfunktionen. Lesen Sie im Handbuch Ihres Autos nach!
  • Im Notfall Polizei oder Pannendienst / Automobilklub rufen

 

Wenn Sie sehen, dass ein Kind im Auto eingesperrt ist:

  • Sich umsehen, ob der/die Fahrzeuglenker/in in der Nähe auffindbar ist (am Parkplatz, im Geschäft nebenan etc.)
  • Falls die Person nicht (schnell) auffindbar ist: Polizei rufen!
  • Die Scheibe eines fremden Autos einzuschlagen ist übrigens wegen der rechtlichen Thematik der „Sachbeschädigung“ eine heikle Angelegenheit. Sie ist laut Gesetz nur dann gerechtfertigt „wenn Leib und Leben bedroht sind und es keine andere Möglichkeit zur Hilfe gibt“.
  • Das Einschlagen einer Autoscheibe ist ohne Werkzeug, wie z.B. dem orangen Notfallhammer, sehr schwierig, ja fast unmöglich. Daher zögern Sie nicht, entsprechende Einsatzkräfte wie Polizei oder Feuerwehr zu rufen.