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Badeunfälle: Kinder ertrinken meist im eigenen Pool

Poolüberdachungen und Zäune sind wichtige Sicherheitsmaßnahmen gegen Ertrinken.

Pressemitteilung – 13. Mai 2020

 

Aufgrund der Corona-Beschränkungen wird der Gartenpool-Boom der letzten Jahre heuer nochmals getoppt. Zum „International Water Safety Day“ am 15. Mai warnt der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE: Der eigene Pool ist für Kinder ein äußerst gefährliches „Pflaster“! Daheim ertrinken mehr als doppelt so viele Kinder wie im öffentlichen Freibad oder am Badesee. Unter 5-Jährige sind besonders gefährdet. GROSSE SCHÜTZEN KLEINE appelliert an Eltern und Aufsichtspersonen ihre Kinder im und am Wasser niemals aus den Augen zu lassen, in deren Schwimmkenntnisse zu investieren und Pools mit einem Zaun oder einer Überdachung zu sichern!

 

In Österreich ertrinken jährlich zwei bis drei Kinder. Im Fokusreport „Ertrinken von Kindern in Österreich“ hat der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE 200 Ertrinkungsunfälle analysiert. Jeder fünfte Ertrinkungsunfall endet tödlich. Auf ein tödlich verunglücktes Kind kommt ein weiteres, das sein weiteres Leben mit einer schweren geistigen Behinderung verbringen muss.

 

Kindernotfallkurs hilft Eltern im Ernstfall schnell und richtig zu reagieren

Fast die Hälfte der Ertrinkungsunfälle passiert in öffentlichen Schwimmbädern oder Seen, rund ein Viertel im eigenen Pool. Danach folgen Flüsse und Teiche/Biotope. Betrachtet man jedoch die tödlich ausgehenden Ertrinkungsunfälle, so finden sich private Pools und Flüsse an erster Stelle. Auf sie entfallen je 30 % der tödlichen Unfälle. 14 % passieren in öffentlichen Schwimmbädern, 9 % in Seen. In öffentlichen Schwimmbädern ist die Überlebensrate nach einem Ertrinkungsunfall relativ hoch, weil das zu ertrinken drohende Kind oftmals rasch bemerkt bzw. aufgefunden wird. Außerdem gibt es hier eine schnelle, gute Rettungskette.

In privaten Pools wird das Kind oft zu spät bemerkt. Auch sind die Erste-Hilfe-Kenntnisse der „Aufsichtsperson“ meist mangelhaft. Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie rät daher dringend, einen Kindernotfallkurs zu besuchen, um im Ernstfall schnell und richtig reagieren zu können.

 

Kinder schreien nicht um Hilfe und können auch im Planschbecken ertrinken

Till warnt eindringlich vor einem fatalen Irrtum: „Kinder schreien nicht um Hilfe, wenn sie zu ertrinken drohen! Im Gegenteil, sie ertrinken lautlos und innerhalb von drei bis fünf Minuten. Deshalb sollte man sie, bis zum Ende des Volksschulalters und bis sie sehr gut schwimmen können, am und im Wasser nie aus den Augen lassen! Das klingt sehr strikt, aber bei diesem Kindersicherheitsthema gibt es leider absolut keinen Spielraum für Kompromisse!“

Einer der Gründe für das hohe Ertrinkungsrisiko bei Kleinkindern ist der sogenannte „Totstellreflex“, der bei Kindern bis 3 Jahre auftritt: Sie können aus ungeklärter Ursache den Kopf nicht aus dem Wasser heben, selbst wenn die Wassertiefe 10 cm oder weniger beträgt.

Gefahrenquellen sind deshalb nicht nur Pools, Biotope oder Teiche, sondern auch Planschbecken und Regentonnen.

 

Ertrinken häufigster tödlicher Unfall bei Kleinkindern

61 % der Ertrinkungsunfälle betreffen 0-4-Jährige, 50 % passieren sogar bis zum 3. Lebensjahr. Auf 5-9-jährige Kinder entfallen 25 % der Ertrinkungsunfälle, 14 % auf 10-14-jährige. Wie bei vielen anderen Kinderunfallarten sind auch bei Ertrinkungsunfällen die Buben mit zwei Drittel der Unfälle einem höheren Risiko ausgesetzt.

„Ertrinken ist die häufigste tödliche Unfallursache bei Kindern bis 5 Jahre, die zweithäufigste bei älteren Kindern. Dennoch zeigt sich: Bewusstseinsbildung wirkt! Betrachtet man die tödlichen Kinderunfälle seit dem Jahr 1996 in 5-Jahres-Schritten, so sieht man, dass der Anteil der Ertrinkungsunfälle von 18 % im Zeitraum 1996 – 2000 auf 10 % im Zeitraum 2011-2015 zurückgegangen ist, sich also beinahe halbiert hat“, betont Dr. Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE.

 

Hauptunfallursachen sind mangelnde Aufsicht und Überschätzen der Schwimmkenntnisse

Eine Unterscheidung des Unfallherganges in „bewusstes Schwimmen und untergehen“ (41 %), „Hineinstürzen in ein Gewässer“ (34 %) und „unbemerkt ins Wasser gelangen“ (25 %) zeigt, dass bei den Jüngsten die Aufsicht der Erwachsenen und bei den Mittleren das Überschätzen der Schwimmkenntnisse signifikant zum Unfall beitragen. Ab 4 Jahren sollten Kinder Schwimmkurse besuchen, sie ans Wasser zu gewöhnen ist durchaus schon früher sinnvoll. Oft werden durch „Schwimmscheine“ bestätigte Kenntnisse jedoch sowohl von Eltern als auch von Kindern überschätzt. „Kinder, die gerade erst schwimmen gelernt haben, sind im Wasser nicht sicher. Vor allem, wenn sie es in einem Schwimmbad gelernt haben, und nun in einem See oder im Meer schwimmen. Werden sie von einer ungewohnten Situation überrascht, können sie alles Gelernte vergessen und schnell und lautlos untergehen“, gibt Till zu bedenken. Neben Meer und See passiert das auch immer wieder in Wellenbecken und Strömungskanälen.

 

Weitere Sicherheitstipps

  • Pools/Biotope/Teiche mit einem 1,5 m hohen Zaun und selbstschließender Tür sichern oder einer versperrbaren Überdachung sichern!
  • Überlegen Sie gut: Muss ein privater Pool wirklich jetzt schon sein oder können Sie damit warten, bis die Kinder älter sind und gut schwimmen können?
  • Für private Pools gibt es elektronische Sicherheitssysteme, die Alarm schlagen, wenn ein Kind unbeobachtet ins Wasser geht oder zu ertrinken droht.
  • Bringen Sie Kleinkindern bei, nur mit Erwachsenen ans und ins Wasser zu gehen und größeren Kindern, immer nur zu zweit zu schwimmen!
  • Verlassen Sie sich nicht auf Schwimmhilfen: Sie bieten keinen zuverlässigen Schutz!
  • Wenn kleine Kinder verschwunden sind, immer zuerst dort suchen, wo Wasser ist oder sein könnte!

Factsheet "Sicherer Spaß im Nass"

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