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Unfälle am Kinderspielplatz: Jede zweite Verletzung „schwer“

Bild: Pixabay

Pressemitteilung – 24. April 2019


Jedes Jahr kommen rd. 430 Kinder bis 14 Jahre nach Unfällen am Spielplatz auf die Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz – fast jedes zweite Kind mit schweren Verletzungen. Der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE hat sich die Situation auf 41 Spielplätzen mit Unterstützung des Ressorts für Wissenschaft und Forschung des Landes Steiermark genauer angeschaut und festgestellt: Öffentliche Spielplätze sind meist in gutem Zustand. Aufsichtspersonen sind häufig abgelenkt.

 

Spielen ist für die kindliche Entwicklung ungemein wichtig und untrennbar mit der Erforschung der Umwelt verbunden. Konnten Kinder früher noch vor der Haustür und auf der Straße spielen, so ist ihnen dies heute – vor allem in Siedlungsräumen – nur noch auf speziellen Plätzen möglich. Daher muss der Spielplatz als viel besuchter Spielort natürlich anderen sicherheitstechnischen Kriterien entsprechen als die Spielecke oder ein Spielgerät im eigenen Garten.

Auch der Aufmerksamkeit der Eltern bzw. Aufsichtspersonen kommt eine wichtige Rolle zu.

In der Studie „Spaß am Spielplatz“ des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE wurden deshalb folgende drei Themenfelder untersucht: „Welche Unfälle passieren auf Spielplätzen?“, „Was machen Eltern während ihr Kind spielt?“ und „Wie steht es um unsere Spielplätze?“.

286 Eltern von jungen Unfallopfern machten detaillierte Angaben zum Unfallgeschehen.

Und 41 steirische Spielplätze wurden auf Herz und Nieren geprüft.

 

Jede zweite Verletzung „schwer“; am meisten passiert bei der Schaukel

Von 2016 bis Juni 2018 wurden an der Kinder- und Jugendchirurgie Graz 1.066 Kinder (bis 14 Jahre) nach einem Spielplatzunfall behandelt – fast die Hälfte davon mit schweren Verletzungen. „Mit knapp 70 % passiert der Großteil der Unfälle mit spielplatztypischen Geräten auf öffentlichen Spielplätzen. Der Absturz von einem Gerät ist die mit Abstand häufigste Unfallursache. Eine Gegenüberstellung von Gerätehäufigkeit und Unfallverteilung zeigt, dass relativ betrachtet die meisten Unfälle mit der „landläufigen“ Schaukel passieren, gefolgt vom Klettergerät und der Rutsche“, weiß Studienautor Dr. Peter Spitzer vom Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE.

Im Schnitt ist das verletzte Kind 6 Jahre alt. Mädchen und Buben verunfallen gleich häufig, wobei sich Mädchen häufiger schwer verletzen.

Univ.-Prof. Holger Till, Präsident von GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie betont: „Zumeist ziehen sich die schwer verunfallten Kinder Verletzungen an Armen und Beinen, allen voran Knochenbrüche, zu. Aber auch Kopfverletzungen kommen gerade bei Kleinkindern immer wieder vor. Denn je jünger das Kind, desto schlechter die Fähigkeit einen Sturz auf den Kopf durch das Abstützen mit den Händen abzufangen“. Ganz wichtig, um Unfälle am Spielplatz zu vermeiden, ist es, Kinder nicht in etwas hineinzudrängen zu dem sie noch nicht bereit sind. „Man sollte die Kleinen bspw. nicht hoch auf ein Klettergerüst heben. Kinder sollten am Spielplatz nur das machen, wozu sie selbständig in der Lage sind“, betont Till.

 

Öffentliche Spielplätze meist in gutem Zustand; Informationstafeln sind Mangelware

Der Check 41 steirischer Spielplätze zeigt: Öffentliche Spielplätze (vorwiegend von der Gemeinde betrieben) sind meist in einem guten Zustand, die Geräte sind in Ordnung.

Aber es wären auch Verbesserungen möglich: So geizen viele Betreiber mit Informationstafeln und Kontaktdaten am Spielplatz. Diese wären gerade beim Melden eines Schadens oder der Anforderung einer Rettung im Notfall jedoch sehr hilfreich.

Mehr als 90 % der Plätze waren vom Sauberkeitsstandpunkt her als „sehr gut“ zu beurteilen. Hundekot, Glasscherben oder besondere Gefahren wie weggeworfene Spritzen konnte man auf keinem der besuchten Spielplätze entdecken.

Auch der Zustand des Fallschutzes ist von großer Bedeutung für die Sicherheit am Spielplatz. Die Hälfte der besichtigten Spielplätze setzte dabei auf Fallschutzmatten, 15 % auf Kies und 12 % auf Rindenmulch. In der Gesamtbeurteilung waren zwei Drittel des Fallschutzes „okay“, 17 % aber „mangelhaft“. Die Analyse der falldämpfenden Eigenschaften verschiedener Böden zeigt auch Auswirkungen in Bezug auf Kopfverletzungen: „Kopfverletzungen nehmen mit der Altersgruppe trotz größerer Sturzhöhe ab. Im Langzeitvergleich gibt es nach Spielplatzunfällen heute weniger Kopfverletzungen als früher“, betont Till.

Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl: „Ich freue mich, dass den Spielplätzen in unseren steirischen Gemeinden hinsichtlich Sicherheit sowie Sauberkeit ein durchwegs positives Zeugnis ausgestellt werden kann. Damit Kinder auch in Zukunft sicher und unbeschwert spielen können, ist es von Bedeutung, dass die hohen Sicherheits- und Qualitätsstandards gehalten werden. Eltern sollten darüber hinaus nicht davor scheuen, Mängel und Gefahrenstellen den Betreibern zu melden“.

 

Mehr Sicherheit heißt nicht weniger Spaß

Grundsätzlich ist am Spielplatz eine Balance zwischen Risiko und Sicherheit wichtig. Spielplätze mit immer niedrigeren Geräten auszustatten kommt vielleicht Kleinkindern entgegen, bei größeren Kindern führt dies natürlich zu Langeweile. Ältere Kinder werden durch zu viele Sicherheitsmaßnahmen davon abgehalten, sich auf Spielplätzen auszutoben. Sie suchen sich gefährlichere Plätze oder lassen die gesunde Bewegung gleich ganz bleiben.

„Ein Vergleich der aktuellen Studie mit einer Untersuchung aus den 1990er Jahren zeigt jedoch, dass mehr Sicherheit nicht automatisch weniger Spaß bedeuten muss. Die Rutsche hat bspw. deutlich an Risikopotenzial verloren, einfach, weil sie heute oftmals in einen Hang eingebaut, statt auf der Ebene aufgestellt wird“, so Spitzer.

 

Ablenkung: Was machen Eltern während ihr Kind spielt?

Nur 3 von 100 erwachsenen Aufsichtspersonen konnten innerhalb 15 Minuten einer Ablenkung widerstehen, zeigte eine Beobachtung im Zuge der Studie. Im Durchschnitt waren die Begleitpersonen fast 4-mal in diesen 15 Minuten mit anderen Dingen beschäftigt. Rund ein Viertel der Zeit war ihre Aufmerksamkeit also nicht auf ihre spielenden Kinder gerichtet. Grundsätzlich wurden kleine Kinder natürlich genauer beaufsichtigt als größere. „Unterschätzt  wurde aber vor allem, wie lange man im Zwiegespräch mit anderen Erwachsenen abgelenkt ist“, warnt Spitzer.

Bei der Befragung nach der Ursache für das Unfallgeschehen ihres Kindes wurde zum Großteil „der blöde Zufall“ angegeben. Mit 12 % war die Müdigkeit des Kindes ein gewisses Thema für den Unfall. Erst an vierter Stelle kam laut den befragten Aufsichtspersonen die „eigene Ablenkung“.

Wertvolle Sicherheitstipps...

... finden Sie auch in unserem Infoblatt "Spaß am Spielplatz"

Diese Studie wurde unterstützt vom Land Steiermark

Zukunftsressort des Landes Steiermark - LR MMag. Barbara Eibinger-Miedl