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Sicher zur Schule: Schulweg üben, Handy weg, runter vom Gas!

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Pressemitteilung – 18. August 2017

Jährlich verunfallen in Österreich rund 1.300 Kinder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Spiel- und Sportgeräten, wie dem Scooter, im Straßenverkehr. Im Vorjahr verletzten sich 570 davon auf dem Schulweg. Wichtigste Schutzmaßnahmen: sicheren Weg auch mit älteren Kindern immer wieder üben, Ablenkungen vermeiden und Geschwindigkeit reduzieren!

 

Üben als bester Schutz vor einem Unfall

Eine typische Unfallsituation: Plötzlich tritt ein Kind hinter einem parkenden Auto hervor und überquert im Laufschritt die Straße – anstatt sich langsam der Fahrbahn zu nähern, am Rand stehen zu bleiben und die Situation vor dem Überqueren genau zu beobachten. Auch im Bereich von Haltestellen und Schutzwegen verunfallen SchülerInnen häufig. „Üben Sie den Schulweg nicht nur mit den SchulanfängerInnen, sondern mit allen Volksschulkindern und den 10-Jährigen, die ins Gymnasium bzw. in die Neue Mittelschule wechseln! Denn auch wenn der Weg nicht neu ist: Erstens wird über die Ferien viel vergessen, zweitens haben sich oft wichtige Punkte verändert. Eltern von SchulanfängerInnen sollten sich, gemeinsam mit dem Nachwuchs, am besten schon in den letzten beiden Ferienwochen ausführlich mit dem sichersten Schulweg befassen. Denn es ist enorm wichtig, dass Kinder die Verkehrsregeln nicht nur kennen, sondern auch gut anwenden können“, betont Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie.

Mangelndes Gefahrenbewusstsein und Ablenkungen als Hauptgefahren für Kinder

Der Auslöser für kindliche Fußgängerunfälle ist oft eine unübersichtliche Verkehrssituation. Kinder schauen seltener Rechts-Links, laufen impulsiv über die Straße, treten plötzlicher hinter Sichthindernissen hervor, spielen mit dem Handy, folgen Personen ohne zu schauen und wählen den kürzesten Weg. Darüber hinaus ist das Gefahrenbewusstsein von Volksschulkindern noch auf den Moment reduziert. Sie können nur ad hoc erkennen: „Jetzt bin ich in Gefahr“. Das für die Verkehrssicherheit so wichtige vorhersehende Gefahrenbewusstsein ist erst mit 11 Jahren voll ausgebildet. Ablenkungen, wie das Handy, sind ein zweiter gravierender Risikofaktor: „Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass Telefonieren, WhatsAppen & Co. auch für FußgängerInnen eine große Gefahr sind. Am besten sollte der Nachwuchs auf dem Schulweg ganz darauf verzichten“, rät Till. Auch die Kopfhörer bleiben besser zuhause, damit die Ohren für Verkehrsgeräusche frei sind. Auf dem Gehsteig ist es wichtig, möglichst weit innen zu gehen und nicht zu laufen, zu schubsen oder Abfangen zu spielen.

AutofahrerInnen: Runter vom Gas und volle Konzentration auf den Straßenverkehr

Die größte Verantwortung liegt aber bei den Erwachsenen: „Wenn Sie selbst ein Auto lenken, verzichten Sie zum Schutz von Kindern darauf, Ihr Handy oder das Navi zu bedienen und heruntergefallene Gegenstände aufzuheben. Beschäftigt mit dem Handy oder dem Bedienen eines Navigationsgerätes können Dreiviertel der LenkerInnen ihr Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit zwischen 30 und 50 km/h vor einem plötzlich auftauchenden Hindernis nicht zum Stehen bringen“, gibt Till zu bedenken. Das Unfallrisiko ist beim Schreiben von Handynachrichten mindestens achtmal höher. Auch die Freisprecheinrichtung bringt wenig: Wer beim Autofahren telefoniert, reagiert ähnlich langsam und schlecht wie bei 0,8 Promille Alkohol im Blut. Außerdem lohnt es sich immer wieder mal einen Blick auf den Tacho zu werfen, denn schon 5 km/h langsamer fahren bewirkt 15% weniger verletzte und 25% weniger getötete FußgängerInnen. „Denken Sie immer daran: Kinder handeln oft unvorhersehbar, laufen beispielsweise plötzlich über die Straße und sind deshalb vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen!“, erinnert Till an eine wichtige Grundregel aus der Fahrschule.

„Elterntaxis“ als Gefahr vor Schulen

Die Anzahl der Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen, nimmt grundsätzlich ab. Gerade vor Volksschulen sind kurz vor Schulbeginn viel zu viele Autos unterwegs – weil Kinder zunehmend von den Eltern gebracht werden. Durch regelmäßige „Hol- und Bringdienste“ werden aber Kinder, die zu Fuß unterwegs sind, wesentlich stärker gefährdet. Außerdem profitieren Kinder mehrfach davon, den Schulweg zu Fuß zurückzulegen: Nicht nur deren Sicherheit sich im Straßenverkehr zu bewegen wird gefördert, sondern auch positive Auswirkungen auf die Bewegungsfreude, soziale Beziehungen und die Konzentrationsfähigkeit im Unterricht sind zu beobachten.

Weitere GROSSE SCHÜTZEN KLEINE SicherheitsTIPPS für den Schulweg:

  • Planen Sie unbedingt ausreichend Zeit ein: Stress erhöht die Unfallgefahr!
  • Ausgeschlafen und gut gefrühstückt? Das ist bei Schulkindern besonders wichtig für Aufmerksamkeit und Konzentration – nicht nur in der Schule, sondern auch am Weg dorthin.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind besonders in der dunklen Jahreszeit helle oder reflektierende Kleidung und eine Schultasche mit ausreichend großen Reflektoren trägt – dafür steht die DIN Norm 58124!

Wenn Ihr Kind zu Fuß geht:

  • Wählen Sie einen Schulweg, den Ihr Kind sicher bewältigen kann! Nehmen Sie dafür auch Umwege in Kauf!
  • Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es an Ampeln auch auf abbiegende Fahrzeuge achten muss!
  • Erklären Sie Ihrem Kind, dass es auch vor einem Zebrastreifen erst losgehen darf, wenn alle Fahrzeuge stehen!
  • Eine gute Möglichkeit ist die Gründung einer sogenannten „Pedibus-Gruppe“: hier gehen mehrere Kinder, von einer Aufsichtsperson begleitet, gemeinsam zu Fuß zur Schule.

Wenn Ihr Kind mit dem Fahrrad unterwegs ist:

  • Erst nach der Radfahrprüfung darf Ihr Kind alleine mit dem Fahrrad oder dem Scooter zur Schule fahren. Mit dem Scooter muss es am Gehsteig fahren.
  • Radfahren ist eine sehr komplexe Tätigkeit. Überschätzen Sie deshalb die Fähigkeiten Ihres Kindes nicht und üben Sie immer wieder gemeinsam die richtige Beherrschung des Fahrrades!
  • Denken Sie an die Helmpflicht bis 12 Jahre (und die dringende Helmempfehlung über dieses Alter hinaus) und an regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen des Fahrrads!

Wenn Ihr Kind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule fährt:

Üben Sie auch hier das richtige Verhalten:

  • An Haltestellen nicht zu nah am Straßenrand stehen und nicht Schubsen/Drängeln.
  • Nach dem Aussteigen warten bis der Bus/die Straßenbahn weggefahren und die Sicht frei ist, bevor die Straße überquert wird.

Wenn Ihr Kind mit dem Auto zur Schule gebracht werden muss:

  • Halten Sie an einer geeigneten, sicheren Stelle in der Nähe der Schule an und lassen Sie Ihr Kind das letzte Stück zu Fuß gehen!
  • Das Kind sollte immer an der Gehsteigseite aussteigen können.