Allgemein, GROSSE SCHÜTZEN KLEINE, Presseaussendungen

Schifahren und Snowboarden: Helmtragen und richtige Ausrüstung reduzieren Verletzungsrisiko erheblich

Fotolia

Schifahren und Snowboarden zählen zu den beliebtesten Sportarten der Österreicher – und haben damit auch in der Unfallstatistik ihren Fixplatz. Im Rahmen des „Steirischen Pistengütesiegels“ hat der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE gemeinsam mit der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie und der Fachgruppe der Seilbahnen der Wirtschaftskammer Steiermark fast 3.000 Pistenunfälle aus n Saisonen 2007/08 und 2014/15 unter die Lupe genommen und daraus wesentliche Sicherheitstipps abgeleitet.

Unfallzahlen relativ konstant; 10-14-Jährige und etwa 40-Jährige verunfallen am Öftesten

Nach einem massiven Rückgang der Pistenunfallzahlen um rund 75% in den letzten 50 Jahren unterliegen diese in den letzten Jahren nur geringen Schwankungen. „In den mit dem „Steirischen Pistengütesiegel“ ausgezeichneten Schigebieten liegen die Unfallzahlen deutlich unter dem internationalen Mittelwert. Besonders häufig verunfallen ältere Kinder (10–14 Jahre) und Erwachsene um die 40“, weiß Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Univ. Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz.

Fast jedes zweite Unfallopfer erleidet einen Knochenbruch; Kopfverletzungen nehmen ab

Der Auswertung der analysierten Pistenunfälle in den Gebieten des „Steirischen Pistengütesiegels“ zufolge erleiden 51% der nach einem Schi- oder Snowboardunfall im Krankenhaus behandelten unter 15-Jährigen und 41% der über 15-Jährigen Patienten Knochenbrüche. Der Prozentsatz der Unfallopfer, die sich Kopfverletzungen zuzogen, sank von 16% in der Saison 2007/08 auf 12% in der Saison 2014/15.

„Unterschiede in den Verletzungsmustern zeigen sich sowohl bei Schifahrern und Snowboardern als auch bei Kindern und Erwachsenen und Frauen und Männern: So erleiden Schifahrer am häufigsten Knie- und Unterschenkelverletzungen, Snowboarder sind hingegen deutlich öfter von Unterarm- und Schulterverletzungen betroffen. Für Snowboarder sind spezielle Handschuhe und ein Rückenprotektor daher besonders wichtig“, betont der Leiter der Studie, Dr. Christoph Castellani von der Univ. Klinik für Kinder- und Jungendchirurgie Graz.

Im Hinblick auf die unterschiedlichen Altersgruppen zeigt sich, dass Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren seltener stationär behandelt werden müssen, dafür aber häufiger Frakturen erleiden. Beide Geschlechter verunfallen zwar etwa gleich oft, Frauen und Mädchen sind aber häufiger von Knieverletzungen betroffen, Männer und Buben hingegen von Kopfverletzungen und Knochenbrüchen.

Schutzausrüstungen zunehmend populär

„Ein wesentlicher Grund für den Rückgang der Kopfverletzungen ist sicher, dass die Anzahl der Helmträger in diesem Zeitraum massiv gestiegen ist: Trugen 2007/08 nur 21% der Schifahrer und Snowboarder einen Helm, sind es heute bereits fast 90%. Kopfverletzungen sind die häufigste Ursache für tödliche Verletzungen und Verletzungen mit bleibenden Schäden nach Unfällen auf der Piste“, weiß Castellani. Das Risiko, eine Kopfverletzung zu erleiden, sinkt durch das Tragen eines Helms laut Studien um rund 35%. Seit 2010 ist Helmtragen in Österreich, mit Ausnahme der Bundesländer Tirol und Vorarlberg, für unter 15-Jährige verpflichtend.

Auch der Rückenprotektor erfreut sich zunehmender Beliebtheit, was sich in einem signifikanten Rückgang der Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen widerspiegelt. Till: „Insgesamt tragen Kinder und Jugendliche deutlich häufiger eine Schutzausrüstung als Erwachsene. Nicht zuletzt im Sinne der starken Vorbildwirkung für unsere Kinder wäre es wünschenswert, wenn sich der Anteil auch bei den Erwachsenen noch steigern ließe.“

Unfallhäufung um die Mittagszeit, Kollisionen abgenommen

Die vorliegende Auswertung zeigt außerdem, dass das Unfallrisiko um die Mittagszeit deutlich höher ist. „Zurückzuführen ist das wohl einerseits auf die hohe Anzahl an Schifahrern und Snowboardern, die um diese Zeit auf den Pisten unterwegs sind, andererseits wird eine verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nach dem Mittagessen vermutet“, so Studienautor Castellani. Fazit: Ideal wäre es, ein leichtes, gesundes Mittagessen dem Germknödel oder dem Wiener Schnitzel vorzuziehen.

Unfallort ist in rund 80% der Fälle die Pistenmitte: Hier gilt – auch wenn der Anteil der Kollisionen an den Unfallursachen in den letzten Jahren leicht gesunken ist: Niemals mitten auf der Piste und an schwer einsehbaren Stellen stehenbleiben, sondern immer für nachkommende Pistenteilnehmer gut sichtbar am Pistenrand! Neben der Pistenmitte zählen der Liftein- und -ausstieg und Fun Parks zu den neuralgischen Unfallstellen.

 

GROSSE SCHÜTZEN KLEINE Sicherheitstipps für den ungetrübten Pistenspaß:

  • Schutzausrüstung tragen!
  • Bei Schi- bzw. Snowboardauswahl professionell beraten lassen und Ausrüstung vor Saisonbeginn überprüfen und warten lassen!
  • Ermüdung und Überforderung zählen zu den häufigsten Unfallursachen: Beenden Sie deshalb einen Schitag auch mal früher!
  • Zu Beginn und nach langen Liftfahrten Aufwärmübungen machen!
  • FIS-Regeln beachten!
  • Im Falle einer Unfallbergung kommt verstärkt der Hubschrauber zum Einsatz: Vergewissern Sie sich, dass Sie eine Versicherung haben, die die (ansonsten für Sie sehr hohen) Kosten übernimmt

 

Das „Steirische Pistengütesiegel“

Das „Steirische Pistengütesiegel“ ist die begehrteste Auszeichnung für steirische Schigebiete und steht seit 2000 für höchste Sicherheit und Qualität im Wintersport. Es wurde in Kooperation von GROSSE SCHÜTZEN KLEINE; der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie, dem Land Steiermark und der Fachgruppe Seilbahnen der Wirtschaftskammer Steiermark gegründet. Ziel ist es, die Unfallzahlen zu reduzieren. Die 18 steirischen Schigebiete, die derzeit das „Steirische Pistengütesiegel“ tragen, verpflichten sich zu einer genauen Unfalldokumentation und zur Einhaltung strenger Kriterien und werden regelmäßig – auch unangemeldet – durch die Kommission überprüft. Die Unfalldaten werden detailliert ausgewertet und darauf basierend Verbesserungsempfehlungen an die Schigebiete von Seiten der Kommission gegeben. Durch dieses Sicherheitsmanagement zählen die steirischen Schipisten zu den sichersten weltweit

Der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE verfügt damit über eine der größten und wichtigsten Datenbanken was Unfallforschung und Präventionsarbeit auf Schipisten betrifft.