Sport und Freizeit, Verkehr

Warum tragen Kinder (k)einen Helm – Eine Analyse von Helmtragemotiven bei 10 bis 15jährigen beim Radfahren und im Wintersport

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Unfälle im Freizeit- und Sportbereich stellen bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 15 Jahren die häufigste Verletzungsursache dar. Als vorrangige Präventivmaßnahmen zur Vermeidung von Verletzungen kann nur eine persönliche Schutzausrüstung empfohlen werden. Bei Geschwindigkeitssportarten wie Radfahren bzw. Schifahren und Snowboarden ist neben diversen Körperprotektoren vor allem der Helm die Schutzausrüstung schlechthin. In Österreich gibt es die Tragepflicht für Schihelme bis zum 15. Lebensjahr seit dem Jahr 2010 und seit dem Jahr 2011 diese für Radhelme bis zum 12. Geburtstag. Beide Gesetze sind jedoch von keinem Enforcement begleitet. Und obwohl die Zielgruppe letztlich dieselbe ist, kann der „Schwung“ der hohen Tragequoten im Wintersport nicht auf das Radfahren mitgenommen werden.
In dieser Studie wurden die Motive der Zustimmung und Ablehnung zum Helm untersucht. Dabei wurde über steirische Schulen die Altersgruppe der 10 bis 15jährigen mittels Online- Fragebogen gebeten, ihre Pros und Contras anzugeben.

 

Insgesamt wurden 1.931 Schülerinnen und Schüler befragt. Letztlich konnten 1.875 Personen aufgrund der Altersgrenze 10 bis 15 Jahre in die Auswertung miteinbezogen werden. Ein Drittel der befragten Schülerinnen und Schüler besuchte ein Gymnasium, 7% eine BMHS. Knapp 20% der befragten Personen wohnte in Graz. Weitere 28% wohnten in Graz-Umgebung. Die andere Hälfte war über die Steiermark verteilt, wobei die Bezirke Weiz und Leibnitz am stärksten vertreten waren. 57% der befragten Personen waren Schülerinnen, 43% männlich. Knapp 89% der Kinder und Jugendlichen gaben an, mit einem Fahrrad zu fahren; rund 82% sind Wintersportler im Sinne von Schifahrer oder Snowboarder.
1.667 Schülerinnen und Schüler zwischen 10 und 15 Jahren gaben an, dass sie mit dem Fahrrad fahren, wobei jeder zweite nur hin und wieder fährt. Beim Unfallgeschehen mit dem Fahrrad gaben 11,5% der Befragten an, dass sie schon einmal im Krankenhaus nach einem Unfall einer Behandlung der Verletzung bedurften. 2,5% gaben an, dass sie bereits einmal einen Verkehrsunfall hatten. Beim Unfallgeschehen war das Risiko bei den Burschen für einen Einzelsturz 3mal so hoch wie bei den Mädchen, für einen Verkehrsunfall 2mal so hoch. Die Helmtragequote bei den befragten Kindern und Jugendlichen liegt bei knapp 50%. Vergleicht man die Tragequote zwischen den Geschlechtern, so schneiden die Mädchen weitaus besser ab. Rund 74% gaben an, dass sie sehr gute Radfahrer sind.
1.543 Schülerinnen und Schüler zwischen 10 und 15 Jahren gaben an, dass sie mit Schiern oder Snowboard im Winter unterwegs sind. Beim Unfallgeschehen im Wintersport gaben 11,0% der Befragten an, dass sie schon einmal im Krankenhaus nach einem Unfall einer Behandlung der Verletzung bedurften. Das Unfallrisiko war bei den Burschen 2mal so hoch wie beim den Mädchen und für Snowboarder 18mal so hoch wie für Schifahrer. Die Helmtragequote liegt bei über 95% und somit fast doppelt so hoch wie beim Radfahren. Knapp 40% schätzen sich als sehr gute Wintersportler ein.

Aus den Angaben der Online-Befragung lassen sich letztlich folgende Kernaussagen ableiten:

  • Beim Radfahren ist der Helm Ausdruck dafür, dass man noch nicht so gut Radfahren kann. Erst in Zusammenhang mit sportlichem Radfahren wie Mountainbiken und Stunts im Funpark wird von der Gruppe „Nicht immer“ der Helm aufgesetzt. Der Helm ist hier Ausdruck ihrer Sportlichkeit und ihres Fahrkönnens.
  • Der Wintersporthelm hingegen gehört als Ausrüstungsgegenstand zum Gesamtkonzept dazu. Sein Image kann als „cool“ beschrieben werden. Im Gegensatz zum Radfahrhelm unterstreicht der Schihelm das gute Fahrkönnen des Sportlers.
  • Bei den Burschen sind die zentralen Argumente:
    • …weil ich es laut Gesetz muss bzw. …weil ich es laut Gesetz nicht mehr muss
    • …weil der Helm gut aussieht bzw. …weil es cool ist
    • …beim Mountainbiken bzw. …wenn ich Stunts mache
  • Bei den Mädchen stehen folgende Argumente im Mittelpunkt:
    • …weil der Helm meinen Kopf schützt
    • …weil das Umfeld einen Helm trägt
    • …eigene Unsicherheit und schlechtes Fahrkönnen

 

Dem Buchstaben des Gesetzes folgend muss bei beiden Sportarten der Helm getragen werden und trotzdem finden wir im Wintersport beinahe die doppelten Helmtrageraten wie beim Radfahren vor. Es zeigt sich, dass ein Helmtrage-Gesetz ohne Sanktionierungsmöglichkeit für zwei unterschiedliche Sportarten bei derselben Zielgruppe zwei total unterschiedliche Wirkungen hat. Ein Gesetz ohne Enforcement kann nicht dieselbe Wirkung haben wie ein Image des Helmtragens als solches. Denn Faktoren wie „cool“, „gehört einfach dazu“ oder „Ausdruck der Sportlichkeit und des Könnens“ sind diejenigen wichtigen Attribute, die effektive Werbekampagnen in eine emotionale Stoßrichtung verpacken müssen.