Allgemein, Forschungszentrum, GROSSE SCHÜTZEN KLEINE, Presseaussendungen

Kinderunfall-Report 2017: Viele Unfälle sind durch einfache Maßnahmen vermeidbar

Pressemitteilung – 20. Dezember 2017

Jährlich passieren in Österreich rd. 165.000 Kinderunfälle, rd. 20 Kinder sterben infolge eines Unfalls. Die Vermeidung tödlicher, schwerer und „unnötiger“ Unfälle ist primäres Ziel des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE. Mit Unterstützung der Abteilung für Medizininformatik und Prozesse der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft und des LKH-Univ.Klinikums Graz werden im „Styrian Injury Surveillance System“ alle Unfälle der steirischen Bevölkerung erfasst, ausgewertet und analysiert – besonders detailliert die Kinderunfälle. Der darauf basierende Report bildet härteste Fakten zum Unfallgeschehen ab.

 

Unfälle häufen sich, wenn Kleinkinder mobil werden und in der Pubertät

Der Unfall ist die häufigste Todesursache bei Kindern unter 5 Jahren, bei älteren (nach bösartigen Neubildungen) die zweithäufigste. „Mit der ersten intensiven motorischen Phase (krabbeln, gehen lernen etc.) kann man ab dem 1. Geburtstag einen Anstieg im Unfallgeschehen beobachten. Nach einem geringen Rückgang im Kindergarten-/Anfang Volksschulalter gibt es mit der Pubertät ab dem 10. Lebensjahr einen neuerlichen, deutlichen Anstieg der Unfallzahlen“, weiß Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE, Vorstand der Grazer Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie. Buben verunfallen etwas häufiger als Mädchen. Jahreszeitlich betrachtet passieren die meisten Kinderunfälle im Frühjahr.

Ältere Kinder erleiden häufiger schwere Verletzungen

In steirischen Spitälern werden pro Jahr rd. 32.000 Kinder nach einem Unfall behandelt. Etwa 6% dieser Kinder müssen stationär bleiben, bei 94% ist eine ambulante Versorgung, auch wenn des Öfteren mit Wiederbestellungen verbunden, ausreichend. Kleinkinder müssen wesentlich öfter über Nacht im Krankenhaus bleiben.

Leichte Blessuren stehen mit 69% an der Spitze der Verletzungsskala. Bei 31% handelt es sich jedoch um schwere Verletzungen wie Frakturen, Bandrupturen, Verletzungen innerer Organe oder operative Versorgungen. Mit dem Alter nimmt der Anteil an schweren Verletzungen zu: Ist bei den jüngsten nur jede vierte Verletzung als schwer einzustufen, so endet bei den Ältesten beinahe jeder zweite in einem Krankenhaus behandelte Unfall mit einer schweren Verletzung.

Mit 37% werden die oberen Extremitäten bei einem Unfall am häufigsten verletzt. Den zweiten Platz nehmen die unteren Extremitäten mit 29%, den dritten der Kopf mit 27% ein. Je jünger das Kind, desto häufiger ist der Kopf betroffen.

Unfallprävention wirkt

Der Kinderunfall-Report bestätigt die Wirkung von langfristig angelegten Präventionsprojekten zur Kinderunfallvermeidung wie sie der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE entwickelt und durchführt: „Der Vergleich der tödlichen Kinderunfälle in der Steiermark im Zeitraum 1996–2000 mit 2011–2015 zeigt einen  Rückgang um 81,5%. Österreichweit gingen die tödlichen Kinderunfälle in diesem Vergleichszeitraum weniger stark (75,5%) zurück. Die tödlichen kindlichen Verkehrsunfälle sanken in der Steiermark zwischen 1996–2000 und 2011–2015 gar um 89% – in Gesamtösterreich hingegen nur um 67,5%“, weiß Dr. Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE, der den Kinderunfall-Report gemeinsam mit Till verfasst hat.

Dieser enorme Rückgang ist sowohl auf bessere Präventionsarbeit, bessere technische Maßnahmen und Standards (Autokindersitz, Helm etc.) als auch auf eine bessere medizinische Versorgungskette (Notarztsystem, Hubschrauberversorgung) zurückzuführen.

Till betont: „Es ist extrem wichtig, dass Medizin und Prävention wie Zahnräder ineinandergreifen. Gleiche bzw. ähnliche Unfälle und damit gleiches bzw. ähnliches Leid darf sich nicht ständig wiederholen. Viele Unfälle sind durch einfache Maßnahmen verhinderbar: Sei es durch die Montage eines Herdschutzgitters oder einer Fenstersicherung oder einfache Verhaltensregeln, die man schon kleinen Kindern beibringen kann“.

Erste Datenbank zur Erfassung aller Unfälle der steirischen Bevölkerung

Die Steirische Unfalldatenbank, das sogenannte „Styrian Injury Surveillance System“ ermöglicht eine detaillierte Vollerfassung des Unfallgeschehens in einem österreichischen Bundesland. Dies stellt einen Riesenschritt in der Unfallforschung und -analyse dar. Nebst einer regionalen Analyse der Unfälle mit darauf abgestimmten Präventionsmaßnahmen und letztlich erzielter Kostenersparnis durch verhinderte Unfälle ist der Effekt vor allem in einer Erhöhung der Qualität im Sinne eines gesunden und unfallreduzierten Lebensraumes zu sehen.

Die Steirische Unfalldatenbank StISS wird vom Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE, welches als externe Forschungsinstitution an die Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz angegliedert ist, betreut.

 

Die Erstellung des Kinderunfall-Reports wurde ermöglicht mit freundlicher Unterstützung der Steiermärkischen Sparkasse.

 

Rückfragen:
Elisabeth Fanninger, BA
Pressearbeit Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE
0316/385 13764 bzw. elisabeth.fanninger@klinikum-graz.at