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Indoor-Trampolinparks: Mehr als doppelt so viele Kinderunfälle wie im Vorjahr

Foto: Bigstock

Pressemitteilung – 11. Dezember 2018


Schmuddelwetter, risikofreudige Teenies und Indoor-Trampolinparks: diese Kombi stellt die Ärzte und Ärztinnen der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz gerade in den letzten Wochen wieder vor einige Herausforderungen. 2018 wurden an der Klinik bereits 105 Kinder nach Unfällen in Indoor-Trampolinparks behandelt. Das ist eine Steigerung von über 100 % gegenüber dem Vorjahr. „Trampolinspringen macht Riesenspaß und Bewegung ist an sich die beste Unfallprävention. Klare Regeln und Basiskenntnisse im Trampolinspringen sind jedoch unerlässlich, um schwere und „unnötige“ Unfälle zu vermeiden“, warnt Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Grazer Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie. Gemeinsam mit Trampolinparks und dem Landesturnverband Steiermark – Sektion Trampolin will der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE nun Kurse anbieten, um schwere Verletzungen vermeiden zu helfen.

 

Junge Burschen verunfallen am häufigsten – vor allem in der Gruppe

„Kinder und Jugendliche, die in Indoor-Trampolinparks verunfallen, sind mit durchschnittlich 11 Jahren älter als solche, die einen Unfall am privaten Trampolin erleiden (Durchschnittsalter 8 Jahre). Teenies suchen oft bewusst das Risiko suchen – vor allem, wenn sie mit ihren Freunden unterwegs sind. In Trampolinparks tun sich für wilde Saltoversuche und Sprünge aus der Höhe wesentlich mehr Möglichkeiten auf als am Gartentrampolin daheim. Auch fällt die direkte Aufsicht durch die Eltern bei älteren Kindern und Jugendlichen meist weg“, so Dr. Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE.

Betrachtet man die Geschlechterverteilung, so fällt auf, dass rund zwei Drittel aller Verunfallten männlich sind – was wiederum zur verstärkten „Risikosuche“ dieses Geschlechts, vor allem im Teenie-Alter, passt.

 

Viele Knochenbrüche, einige Wirbelsäulenverletzungen

Aufgrund der hohen Kinderdichte und der stärkeren Kräfte, die auf diesen speziellen Trampolinen entstehen, passieren in Trampolinparks tendenziell schwerere Unfälle als auf privaten Trampolinen. „4 von 10 Kindern und Jugendlichen, die nach Unfällen in Trampolinparks zu uns auf die Kinder- und Jugendchirurgie Graz kommen, erhalten die Diagnose „schwere Verletzung“ (in den letzten beiden Jahren 61 Fälle). Bei diesen schweren Verletzungen handelt es sich fast immer um Knochenbrüche (98 %). Zumeist an Beinen und Füßen (40 %) oder Armen und Händen (29 %). In den letzten beiden Jahren erlitten außerdem 20 Kinder Wirbelsäulenverletzungen, 16 Kopfverletzungen und 11 Rumpf-/Beckenverletzungen“, so Till.

Auch fällt auf, dass in Trampolinparks deutlich mehr Ellbogen- und Halswirbelsäule-Verletzungen passieren.

 

Unfallursachen: geringe Trampolinkenntnisse, hohe Kinderdichte, unterschätzte Kräfte

„Den meisten Kindern und Eltern ist gar nicht bewusst, wo Gefahren am Trampolin lauern. Die Unfallgefahr wird oft völlig falsch eingeschätzt, weil das Trampolin „weich“ wirkt. Tatsächlich passieren die meisten Verletzungen bei schlechten Landungen mitten am Trampolin, nicht bei Stürzen auf den Rahmen oder vom Trampolin. Landungen auf einem Bein oder mit den Armen am Trampolin sind weit gefährlicher, als üblicherweise angenommen. Schwerste Verletzungen können bei Landungen am Kopf auftreten, z.B. bei missglückten Saltoversuchen. Zu glauben, dass solche Landungen vom Trampolin abgefedert werden können, ist dabei ein fataler Irrglaube“, gibt DI Dr. Dieter Hayn von der Sektion Trampolin des Landesturnverbandes Steiermark zu bedenken.

Immer wieder kommt es auch vor, dass ein Körperteil gegen ein anderes schlägt (z.B. Knie ins Gesicht beim Saltoversuch).

 

Mit Trampolinkursen, Fachpersonal und Regeln schwere Unfälle verhindern

Der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE plant nun, gemeinsam mit Trampolinparks und dem Landesturnverband Steiermark – Sektion Trampolin Kurse zum richtigen Trampolinspringen anzubieten. „Um schwere Verletzungen bestmöglich zu vermeiden, ist es unerlässlich, dass Kinder ein Gefühl fürs Trampolinspringen bekommen. Sie sollen lernen, wie man sicher landet und bei einem drohenden Sturz richtig fällt. „Die ersten Saltoversuche sollten niemals ohne professionelle Hilfe unternommen werden, z.B. in einem Trampolinverein“, so Trampolinexperte Hayn.

Auch Eltern sollen in diese Kurse miteinbezogen werden. Denn nicht zuletzt liegt auch bei ihnen die Verantwortung, ihre Kinder auf die Gefahren und das sichere Verhalten am Trampolin hinzuweisen. Wesentlich dafür ist, dass sich Eltern der Gefahren bewusst werden und lernen, mit welchen einfachen Mitteln man viele davon vermeiden oder zumindest entschärfen kann.

„Außerdem appellieren wir an Trampolinparks, beim ersten Besuch ein Gespräch über die wichtigsten Regeln mit Kindern und Jugendlichen zu führen. Beim Rundgang durch die Trampolinflächen sollen sie auf besondere Gefahren hingewiesen werden. Auch Fachpersonal, welches das Geschehen im Blick hat und den Kindern und Jugendlichen Tipps gibt und Tricks zeigt, wäre nicht nur eine Bereicherung für den Spaß am Springen, sondern könnte vor allem auch gefährliche Situationen entschärfen und so schwere Unfälle verhindern helfen“, so Till.