Allgemein, GROSSE SCHÜTZEN KLEINE

Gefährliches Grillen

Jährlich verbrennen sich knapp 1.000 Österreicher beim Grillen so schwer, dass sie in Krankenhaus gebracht werden müssen. Viele dieser Brandverletzungen, bei denen oft nur mehr Operationen helfen, könnten vermieden werden.

Knapp die Hälfte der Verletzungen am Klinikum Graz betrifft Kinder.

Österreich ist ein Land der Griller. Passt das Wetter, fängt die Saison schon im April an und dauert bis in den späten September. Die Gefahr, die vom Freiluft-Kochen ausgeht, wird dabei unterschätzt. In den Sommermonaten müssen pro Tag durchschnittlich fünf Österreicher ins Krankenhaus eingeliefert werden, weil sie beim Grillen nicht aufgepasst haben. Am LKH-Univ. Klinikum Graz sind es jedes Jahr an die 50 Personen, die so schwere Brandverletzungen haben (Verbrennungen 3. Grades), dass nur mehr eine Operation hilft. Die verbrannte, abgestorbene Haut muss entfernt und mittels Hauttransplantation ersetzt werden. Dabei könnte die Mehrzahl der Grill-Unfälle leicht vermieden werden. „Unserer Erfahrung nach gibt es drei Hauptursachen für die Unfälle: fehlendes Wissen über das Grillen im Allgemeinen, Leichtsinn im Umgang mit Spiritus und Benzin und ungeeignete Ausrüstungen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz, Leiter der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie. Der häufigste Fehler, den Hobbygriller begehen, ist laut Kuratorium für Verkehrssicherheit das Verwenden von Zündhilfen wie eben Spiritus. Mehr als jeder zweite Verletzte ist beim Anheizen der Kohle zu ungeduldig und bezahlt seinen Übereifer mit teils großflächigen Verbrennungen.

Wenn Spiritus etwa auf glühende Kohlen gespritzt wird, entstehen explosionsartige Stichflammen. Selbst wenn die Grillkohle bereits abgekühlt ist, besteht weiterhin Gefahr: Beim Verdunsten kann sich ein hochexplosives Dampf-Luft-Gemisch in Form einer Glocke mit bis zu drei Metern Durchmesser bilden, bei dem ein Funke reicht, um es zu entzünden.

Es sind aber nicht nur Erwachsene, die sich beim Grillen schwer verletzen. Knapp die Hälfte der Verletzungen am Klinikum Graz betrifft Kinder. Priv.-Doz. Dr. Klaus Pfurtscheller, Leiter der Brandverletzteneinheit auf der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde: „Besonders kleinere Kinder, die mit dem Grill auf Augenhöhe sind und beim Grillen mithelfen möchten, sind gefährdet. Sie erleiden bei Unfällen oft großflächige Verbrennungen im Gesicht und am Oberkörper.“ Die Folgen: Operationen und ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus, auch Narben können zurückbleiben. Grundsätzlich sollten Kinder zum Griller immer einen Sicherheitsabstand von zwei bis drei Metern einhalten.

Die sicherste Art, einen Griller zu bedienen, ist nach wie vor der Verzicht auf jegliche Brandbeschleuniger. Ein Feuerlöscher oder ein Kübel mit Sand sollte für den Ernstfall dennoch immer bereitstehen. Und: „Kinder dürfen unter keinen Umständen mit dem Griller alleine gelassen werden, Eltern sollen sie auch nicht selbst grillen lassen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Vorstand der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie und Präsident von „Große Schützen Kleine“. Und Kamolz fügt hinzu: „Falls doch ein Unfall passiert, müssen die Verletzten unbedingt in ein interdisziplinäres Brandverletzten-Zentrum, wie wir es am Klinikum Graz haben, gebracht werden.“ Generell gilt: Nach Grill-Unfällen unbedingt die Rettung rufen – vor allem wenn Gesicht und Hände betroffen sind und es sich um Verbrennungen ab Grad 2, also Verbrennungen mit Blasenbildung, handelt.

Leichte Verbrühungen oder Verbrennungen ersten Grades sind mit einem Sonnenbrand vergleichbar. Die betroffene Stelle sollte unter fließendem Wasser gekühlt werden, auch spezielle Salben können verwendet werden. Bei Verbrennungen zweiten und dritten Grades muss die Rettung verständigt werden. Meistens sind Operationen notwendig. Die verbrannte Haut wird dabei entfernt, die Wunde anschließend mit Hilfe von Hauttransplantationen geschlossen. Wichtig ist, die Kleidung bei Verbrennungen am Körper zu lassen, weil sie höchstwahrscheinlich „miteingebrannt“ ist. Außerdem sollte die verletzte Person warmgehalten werden – eine großflächige Schädigung der Haut stört nämlich die Temperatur-Regulation des Körpers. Hausmittel wie Puder, Öle und Desinfektionsmittel bitte unbedingt vermeiden!